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Wie bessere Planung und transparente Produktionsdaten helfen, Abfall zu reduzieren und Margen zu sichern

Ihr Abfall ist kein Ausschuss – es ist eine Marge, die Sie bereits verloren haben

Vor ein paar Wochen besuchte Steve Green, ePS Sr. Solutions Consultant, ein Werk für flexible Verpackungen in der Nähe von Berlin. Der Produktionsleiter zeigte mir einen Bereich, in dem teilweise verbrauchte Rollen, Auftragsüberschüsse und Rüstabfälle gelagert wurden. „Das ist ganz normal“, sagte er. Und in gewisser Weise hat er recht.

In der deutschen Verpackungsindustrie, insbesondere bei flexiblen Verpackungen, Etiketten und Leichtkarton, gab es schon immer ein akzeptiertes Maß an Abfall. Was jedoch immer noch überraschend ungewöhnlich ist, diesen Abfall zu beziffern.

Und in dem Moment, in dem man das tut, ändert sich alles.

ABFALL IST KEIN NEBENPRODUKT. ER STEHT FÜR BEREITS ANGEFALLENE KOSTEN

Jedes Kilogramm Folie, Papier oder Karton, das als Abfall endet, hat bereits die gesamte Wertschöpfungskette durchlaufen: Einkauf, Transport, Lagerung, Handhabung und Verarbeitung an der Druckmaschine. Wird das Material zu Ausschuss, sind die damit verbundenen Kosten bereits vollständig angefallen. Diese Kosten wären vermeidbar, lassen sich jedoch nicht mehr zurückgewinnen.

Bei vielen deutschen Verarbeitern bleibt dieser Effekt in der Margenbetrachtung noch immer verborgen. Er erscheint nicht als klar abgegrenzter Einzelposten, sondern in Form von Verbrauchsabweichungen, Ineffizienzen bei der Auftragsabwicklung oder Margen, die unter den Erwartungen bleiben.

Dabei handelt es sich nicht um eine theoretische Größe, sondern um reale Verluste, die sich Tag für Tag über zahlreiche Produktionsläufe summieren.

DIE REALITÄT: KURZE AUFLAGEN, HOHE KOMPLEXITÄT

Der deutsche Verpackungsmarkt ist durch einige besondere Anforderungen geprägt:

  • immer kürzere Auflagen
  • häufige SKU-Wechsel, insbesondere bei FMCG und Lebensmitteln
  • kürzere Lieferzeiten
  • wachsende Nachfrage nach Versionierung, Personalisierung und Aktionsverpackungen

Diese Faktoren führen zu häufigeren Rüstvorgängen und längeren Einrichtzeiten an den Produktionsmaschinen – und damit zu mehr Abfall.

In vielen Betrieben erfolgt die Produktionsplanung noch immer mit einfachen Tools oder Tabellenkalkulationen. Die Folgen sind:

  • eine suboptimale Nutzung der Materialrollen
  • ineffiziente Produktionsabläufe
  • Wartezeiten auf Materialien oder Freigaben
  • ein hoher Zeitaufwand für Maschineneinstellungen

Für sich genommen mögen diese Faktoren gering erscheinen. In Summe bilden sie jedoch eine dauerhafte und erhebliche Kostenquelle.

PLANUNG ALS UNTERSCHÄTZTER EINFLUSSFAKTOR

Einer der wichtigsten Hebel zur Abfallvermeidung liegt nicht in der Produktion selbst, sondern in einer effizienten und automatisierten Planung.

Ist die Produktionsreihenfolge nicht optimal abgestimmt,

  • verlängern sich die Umrüstzeiten,
  • sind mehr Maschinenanläufe und Anpassungen erforderlich,
  • steigt der Materialverbrauch während der Rüstvorgänge.

Moderne Planungstools ermöglichen es Druckereien und Convertern,

  • Aufträge nach Substraten, Farben oder Formaten zu gruppieren,
  • unnötige Umrüstungen zu vermeiden,
  • Materialverfügbarkeit und Produktionsplan aufeinander abzustimmen,
  • Termin- und Produktionskonflikte frühzeitig zu erkennen.

Eine bessere Planung steigert somit nicht nur die Effizienz. Sie senkt zugleich den Makulaturanfall, auch wenn die Abfallreduzierung nicht ihr primäres Ziel ist.

PPWR ERHÖHT DEN KOSTENDRUCK

Seit dem 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Für deutsche Druckereien und Converter, von denen viele internationale Markenartikler beliefern, ergeben sich daraus zusätzliche Anforderungen.

Kunden fordern unter anderem:

  • Daten zur Recyclingfähigkeit
  • Angaben zum Rezyklatanteil
  • Transparenz über die eingesetzten Materialien
  • Informationen zum CO₂-Fußabdruck

Diese Informationen sollen schnell, präzise und in einem strukturierten Format bereitgestellt werden.

Zugleich sollen die Gebühren im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) stärker an die Recyclingfähigkeit gekoppelt werden:

  • Eine höhere Recyclingfähigkeit führt zu niedrigeren Gebühren.
  • Eine geringere Recyclingfähigkeit verursacht höhere Kosten.

Damit geht es nicht mehr allein um Nachhaltigkeit, sondern zunehmend auch um Wettbewerbsfähigkeit.

NACHHALTIGKEIT WIRD ZUR KOMMERZIELLEN ANFORDERUNG

In Deutschland gewinnen Nachhaltigkeitskriterien in Beschaffungsprozessen an Bedeutung – insbesondere in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie sowie im Einzelhandel.

Verpackungshersteller und Converter stehen daher nicht mehr nur über Preis und Qualität im Wettbewerb, sondern auch über:

  • Transparenz
  • Rückverfolgbarkeit
  • Umweltleistung

Dabei müssen sie zunehmend Fragen wie diese schnell und belastbar beantworten können:

  • „Wie hoch ist der CO₂-Fußabdruck eines Auftrags?“
  • „Wie hoch ist der Rezyklatanteil in einem Produktionslauf?“

Solche Angaben können bei Ausschreibungen und der Lieferantenauswahl über die Auftragsvergabe mitentscheiden.

DATEN SIND DER WIRKLICHE AUSGANGSPUNKT

Die erfolgreichsten Unternehmen in Deutschland setzten zunächst nicht bei Programmen zur Abfallreduzierung an, sondern bei einer besseren Planung und mehr Transparenz in der Lieferkette.

Am Anfang stand die Transparenz:

  • Tatsächlicher Verbrauch pro Auftrag
  • Abweichung zwischen geschätztem und tatsächlichem Verbrauch
  • Vollständige Materialrückverfolgbarkeit
  • Echtzeit-Einblick in den Lagerbestand

Sobald die Daten vorliegen, wird Abfall sichtbar und messbar – und lässt sich gezielt reduzieren.

TECHNOLOGIE ALS WEG­BEREITER

Speziell für die Verpackungsindustrie entwickelte ERP- und MES-Plattformen wie ePS Radius oder AutoCount4D bieten unter anderem Funktionen für:

  • die Materialverfolgung auf Auftragsebene
  • integrierte Planungs- und Produktionsprozesse
  • die automatisierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  • eine durchgängige Rückverfolgbarkeit

Entscheidend ist nicht die Software allein, sondern ihre Wirkung auf die betrieblichen Abläufe. Solche Systeme können dazu beitragen,

  • Abfall zu reduzieren,
  • Margen zu verbessern,
  • regulatorisch bedingte Kosten zu senken,
  • die Wettbewerbsposition zu stärken.

WO MAN ANFANGEN SOLLTE

Aus meiner Zusammenarbeit mit deutschen Verpackungsunternehmen ergibt sich ein klarer Weg:

  1. Messen Sie zunächst den Abfall
  2. Analysieren Sie, wo er tatsächlich entsteht
  3. Optimieren Sie Planung und Terminierung
  4. Digitalisieren Sie die Datenerfassung in der Fertigung

Abfall lässt sich selten durch eine einzelne Initiative reduzieren. Entscheidend ist vielmehr, blinde Flecken im Betrieb zu beseitigen.

FAZIT

In der deutschen Verpackungsindustrie galt Abfall lange als unvermeidbare Begleiterscheinung der Produktion. Doch diese Sichtweise ist weder finanziell noch operativ länger tragbar.

Abfall ist kein unvermeidbares Nebenprodukt.

Er steht für bereits entstandene Kosten.

Und für verlorene Marge.

Der Weg vom Hinnehmen zum Gegensteuern beginnt damit, Abfall sichtbar und messbar zu machen.