Leichtere Kartonqualitäten, steigende Recyclinganteile und hohe Stückzahlen stellen besondere Anforderungen an die Stanzweiterverarbeitung. Cardbox Packaging investiert deshalb seit mehreren Jahren in Bogenstanzen von Bobst. Mit der jüngsten Visioncut 106 LER verbindet der Verpackungshersteller automatisierte Bogenzuführung und digitale Werkzeugvernetzung. Nach Unternehmensangaben verkürzt dies die Auftragswechsel um bis zu 15 Minuten.
Cardbox Packaging hat seinen Maschinenpark für die Stanzweiterverarbeitung in mehreren Schritten ausgebaut. Auf eine 2017 installierte Bobst Novacut 106 ER folgten 2021 und 2024 jeweils eine Visioncut 106 LER. Ausschlaggebend für die wiederholten Investitionen waren nach Angaben des Unternehmens vor allem Produktivität und Zuverlässigkeit.
Die Stanztechnik ergänzt zwei Bogenoffsetdruckmaschinen sowie weitere Anlagen für die Weiterverarbeitung. Für diesen Produktionsbetrieb nennt das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro. Das Sortiment von Cardbox Packaging umfasst Schachteln, Faltschachteln, Behälter, Becher und weitere papierbasierte Lebensmittelverpackungen.
Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Österreich unterhält Produktions- und Vertriebsaktivitäten in Tschechien, Deutschland, den Niederlanden, Slowenien und der Schweiz. Den nordamerikanischen Markt bedient sie über ein Produktionswerk in Pennsylvania sowie zusätzliche Vertriebsbüros in Wisconsin und Kalifornien.
Leichtere Materialien erschweren die Verarbeitung
Libor Miloševský, General Manager bei Cardbox Packaging, sieht papierbasierte Verpackungen im Wettbewerb mit anderen Materialien gut positioniert. Nach seiner Einschätzung werden weitere Kunden von Kunststoff- oder Verbundverpackungen auf Karton umstellen. Das Interesse an Nachhaltigkeit und Recycling erhöht aus Unternehmenssicht die Nachfrage und die Auftragsvolumina. Zugleich wächst die Anforderung, leichte Verpackungen unter Einsatz von Recyclingmaterial herzustellen.
Für die Produktion bringt diese Entwicklung zusätzliche Herausforderungen mit sich. Cardbox Packaging berichtet, dass sich dünnere Materialien mit zunehmendem Recyclinganteil weniger vorhersehbar verhalten können. Als Beispiel nennt das Unternehmen wellige Bogen, deren Verarbeitung von der Zuführung über die Registerhaltung bis zur Nutzentrennung anspruchsvoller ist.
Ein wesentlicher Faktor ist dabei der Bogentransport zwischen den Bearbeitungsstationen. Die im Stanzbild vorgesehenen Haltepunkte müssen den Zusammenhalt des Bogens während der Verarbeitung sicherstellen. Reichen sie dafür nicht aus, wird es schwieriger, die Nutzen bei hoher Geschwindigkeit sicher und registerhaltig durch die Maschine zu führen.
„Ein gleichmäßiger und schonender Bogentransport ist während des gesamten Produktionsprozesses erforderlich“, erläutert Miloševský. Cardbox Packaging steht nach seinen Angaben vor der Herausforderung, dass unzureichende Haltepunkte diesen Transport beeinträchtigen. Damit wird die sichere Registerhaltung an jeder Station zu einer entscheidenden Voraussetzung für einen stabilen Produktionsablauf.
Die geforderte Leistung bemisst sich deshalb nicht allein an der Maschinengeschwindigkeit. Entscheidend ist, wie zuverlässig sich verkaufsfähige Verpackungen in der benötigten Menge herstellen lassen. Miloševský sieht die Visioncut 106 LER als einen wesentlichen Baustein, um diese Anforderungen zu erfüllen.
Automatisierte Zuführung und digitale Werkzeugvernetzung
Die zuletzt installierte Visioncut arbeitet als hochautomatisierte Stanzlinie mit einem automatisierten Zuführsystem. Zusätzlich nutzt Cardbox Packaging die Bobst-Plattform TooLink, die Maschinen und Werkzeuge digital miteinander verknüpft.
Über die Plattform lassen sich Informationen zu Stanzwerkzeugen, auftragsbezogenen Einstellrezepten und bisherigen Produktionsläufen zusammenführen. Die zugehörigen Anwendungen für das Internet der Dinge schaffen damit eine gemeinsame Datenbasis für Werkzeugverwaltung und Maschinenrüstung. Ziel ist, Aufträge schneller vorzubereiten, Wechselzeiten zu verkürzen und Produktionsinformationen gezielter auszuwerten.
Bei Cardbox Packaging liegt ein konkreter Nutzen in der unmittelbaren Auftragserkennung über die Maschinenbedienoberfläche. Die passenden Einstellrezepte stehen dadurch für die Produktionsvorbereitung bereit. Nach Unternehmensangaben spart dies bei einem Auftragswechsel bis zu 15 Minuten.
Für einen Betrieb mit wiederkehrenden Produkten ist die Verfügbarkeit gespeicherter Auftragsdaten auch für die Reproduzierbarkeit der Maschineneinstellung relevant. Das Bedienpersonal kann auf hinterlegte Parameter zurückgreifen und die Einrichtung auf einer einheitlichen Grundlage vornehmen.
Cardbox Packaging nutzt bereits ein Workflow- und ERP-System, um den Informationsfluss im Unternehmen zu steuern und Produktionsdaten zu erfassen. TooLink ergänzt diese Infrastruktur um detaillierte Informationen zu einzelnen Aufträgen und Produkten. Das Unternehmen setzt die Plattform außerdem zur Fehler- und Störungsanalyse sowie zur Erfassung von Stillstandszeiten ein. Die Daten unterstützen darüber hinaus die Planung vorausschauender Instandhaltungsmaßnahmen.
Einheitliche Rüstabläufe für das Bedienpersonal
Bei der Inbetriebnahme der jüngsten Visioncut konnte Cardbox Packaging auf vorhandene Erfahrung zurückgreifen: Die Bediener waren bereits mit Bobst-Stanzmaschinen vertraut. Nach Aussage von Miloševský verlief der Wechsel auf das neue Modell deshalb ohne Schwierigkeiten.
Die grafische Bedienoberfläche unterstützt das Personal bei der Einrichtung und Bedienung der Maschine. Miloševský beschreibt die Bedienhinweise als verständlich und intuitiv. Sie erleichtern zugleich die Standardisierung der Maschineneinstellung über verschiedene Bediener hinweg.
Für Cardbox Packaging ist dies auch eine Frage des Personaleinsatzes. Produktivität und Effizienz müssen mit den verfügbaren Ressourcen und Fachkräften vereinbar sein. Einheitliche Rüstabläufe und zugängliche Einstelldaten sollen dazu beitragen, die geforderte Produktionsleistung unter diesen Bedingungen zu erreichen.
Zielmarke von 40 Millionen Bogen jährlich
Nach Angaben von Cardbox Packaging verarbeitete die jüngste Visioncut im Jahr 2025 bereits rund 30 Millionen Bogen. Als Ziel nennt das Unternehmen einen Jahresdurchsatz von 40 Millionen Bogen bei mehr als 7.000 Stunden verfügbarer Maschinenzeit.
Diese Größenordnung ist eine Produktionszielsetzung. Um sie zu erreichen, richtet Cardbox Packaging den Blick auf drei Faktoren: weniger Stillstände, kürzere Rüstzeiten und eine höhere Nettoproduktionsgeschwindigkeit. Die digitale Bereitstellung der Auftragsrezepte soll dabei ebenso helfen wie die automatisierte Zuführung und die Auswertung der Produktionsdaten.
„Unsere neue Bobst Visioncut hat unsere Erwartungen erfüllt“, sagt Miloševský. Das Unternehmen strebt an, zum effizientesten Verarbeiter in seinem Tätigkeitsfeld zu werden. Für den General Manager gehören hohe Ausbringung und verlässliche Qualität dabei unmittelbar zusammen: Die Kunden bestellen jährlich große Mengen und erwarten durchgehend korrekt gestanzte Verpackungen sowie eine vollständige und termingerechte Lieferung.
Die Investitionsfolge bei Cardbox Packaging zeigt, welche Anforderungen bei der Stanzweiterverarbeitung zusammenkommen: anspruchsvollere Materialien sicher transportieren, Aufträge reproduzierbar einrichten und die verfügbare Maschinenzeit möglichst produktiv nutzen. Der Hersteller verbindet dafür die mechanische Verarbeitung mit automatisierter Zuführung und auftragsbezogenen Werkzeug- und Einstelldaten.