Digitaldruck ergänzt den Großformat-Offset

Koenig & Bauer zeigt vernetzte Faltschachtelproduktion

Koenig & Bauer zeigt vernetzte Faltschachtelproduktion
Anwenderfreundliche No-Code-Robotik-Lösungen tragen in der Zukunft immer mehr zur smarten Fabrik mit hoher messbarer Effizienz bei (Quelle; Koenig & Bauer)

Beim Executive Day am 8. Oktober in Radebeul demonstrierte Koenig & Bauer eine durchgängige Prozesskette vom Großformat-Bogenoffsetdruck über das Stanzen bis zum Faltschachtelkleben. Weitere Schwerpunkte waren die ergänzende Produktion im Digitaldruck, integrierter Markenschutz und Robotiklösungen für die Automatisierung manueller Tätigkeiten.

Unter dem Motto „Large-Format End-to-End“ stellte Koenig & Bauer Branchengästen aus Europa Lösungen für die vernetzte Verpackungsproduktion vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Verpackungshersteller angesichts von Fachkräftemangel, sinkenden Auflagen und Margendruck ihre Produktionsabläufe automatisieren und unterschiedliche Auftragsstrukturen wirtschaftlich abbilden können.

Anzeige

Die vorgeführte Prozesskette umfasste den Bogenoffsetdruck auf einer Rapida 145, das Flachbettstanzen auf einer Ipress 145 PRO und die Verarbeitung auf einer Faltschachtelklebemaschine OMEGA Allpro 110. Anhand der Live-Produktion zeigte der Hersteller das Zusammenspiel von Maschinenautomatisierung und digitalen Workflows.

Assistenzsysteme für Druck und Qualitätssicherung

Die Rapida 145 erreicht eine Produktionsgeschwindigkeit von bis zu 18.000 Bogen pro Stunde. Verschiedene Automatisierungs- und Assistenzfunktionen unterstützen das Bedienpersonal bei der Auftragsabwicklung und Qualitätssicherung. AutoRun ermöglicht das autonome Abarbeiten einer Folge von Druckaufträgen. AutoGuide zeigt die nachfolgenden Prozessschritte auf dem Wallscreen des Leitstands an. Ein mobiles Helferpanel stellt Informationen zu den Aufgaben des Maschinenhelfers bereit und unterstützt die Abstimmung mit dem Maschinenführer.

Mit ErgoTronic FormCheck lassen sich Lack- und Stanzformen visuell auf dem Druckbogen kontrollieren, um mögliche Fehler vor der Weiterverarbeitung zu erkennen. Die Systeme QualiTronic PrintCheck, PDFCheck beziehungsweise PDF HighRes dienen der Bogeninspektion und – je nach Ausstattung – dem Vergleich mit den PDF-Referenzdaten. InstrumentFlight regelt das Druckbild anhand der Graubalance. Nach Herstellerangaben verkürzt dies die Farbabstimmung und unterstützt eine konstante Farbwiedergabe über die Auflage.

Digitaldruck ergänzt den Großformat-Offset

Für kleine bis mittlere Auflagen, saisonale Kampagnen und Aufträge mit zahlreichen Versionen präsentierte Koenig & Bauer die digitale Faltschachteldruckmaschine VariJET 106. Sie soll den Bogenoffset ergänzen und sich in bestehende Produktionsabläufe einfügen.

Das vorgestellte Konzept sieht vor, hohe Auflagen im großformatigen Bogenoffset zu fertigen und kleinere oder variantenreiche Aufträge auf die VariJET 106 zu verlagern. Nach Einschätzung des Herstellers kann diese Aufteilung die Offsetmaschinen von weniger wirtschaftlichen Kleinaufträgen entlasten und zusätzliche Anwendungen im Verpackungsdruck erschließen.

„Unsere Kunden stehen unter hohem Druck, auch kleinere Auflagen und individuelle Aufträge profitabel abzuwickeln“, betont Dietmar Heyduck, SVP Sales bei Koenig & Bauer Paper & Packaging Sheetfed Systems.

Sicherheitsmerkmale im Druckprozess integrieren

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Initiative „protected at print“ von Koenig & Bauer Vision & Protection. Dabei werden Technologien aus dem Sicherheits- und Banknotendruck für die Verpackungsproduktion genutzt. Unsichtbare Sicherheitsmerkmale lassen sich nach Unternehmensangaben direkt in den Druck- und Veredelungsprozess von Faltschachteln integrieren, ohne das sichtbare Verpackungsdesign zu verändern.

Über die Smartphone-App „a verification app – ava“ können auch Endverbraucher die Echtheit eines Produkts prüfen. Zugleich sollen Markeninhaber Daten erhalten, die den Schutz ihrer Produkte entlang der Lieferkette unterstützen. Verpackungsherstellern bietet das Verfahren damit die Möglichkeit, ihr Angebot um Funktionen zur Produktauthentifizierung zu erweitern.

Workflows und Robotik für die vernetzte Fertigung

In der Keynote „Packaging in Transition“ beleuchteten Uwe Melichar, Vice President der European Brand & Packaging Design Association (epda), und Thomas Vollmuth, Head of Brand Owner Management bei Koenig & Bauer, Anforderungen der Markenhersteller. Dabei ging es um Materialreduzierung, Kosteneffizienz und intelligente Verpackungslösungen.

Zum weiteren Programm gehörten das digitale Ökosystem myKyana, der Verpackungsworkflow in Kooperation mit Hybrid Software sowie Lösungen für den Flexodirektdruck auf Wellpappe. Ergänzend stellte Koenig & Bauer Serviceangebote und Programme des Koenig & Bauer Campus zur Produktivitätssteigerung vor.

Drei Anwendungsfälle veranschaulichten Möglichkeiten der Fabrik- und Maschinenautomatisierung durch Robotik. Unter dem Motto „Robotics that just works“ konnten die Gäste Steuerungslösungen ausprobieren, die sich nach dem No-Code-Prinzip ohne klassische Programmierung bedienen lassen. Die vorgestellten Ansätze sollen künftig manuelle Tätigkeiten reduzieren und zusätzliche Produktionskapazitäten erschließen.