Branchensoftware für Verpackungsdruck und Converting

CERM erweitert Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung

CERM erweitert Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung
CERM erweitert sein MIS-Angebot um den KI-Agenten Lexis zur Auftragsvorbereitung sowie zusätzliche Funktionen für Qualitätsmanagement und Rückverfolgbarkeit. Die neue Cloud-Plattform O2 richtet sich zunächst überwiegend an Etikettendruckereien (Quelle: CERM)

Mit dem KI-Agenten Lexis, zusätzlichen Funktionen für Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit sowie der Cloud-Plattform O2 baut CERM sein Softwareangebot aus. Die zur LOUPE Americas 2026 angekündigten Lösungen setzen an mehreren Stellen des betrieblichen Ablaufs an: beim Eingang einer Bestellung, bei der Produktionsplanung und bei der Dokumentation der Fertigung. Dabei verfolgt der belgische MIS-Anbieter für seine etablierte Software und die neue Cloud-Plattform unterschiedliche Entwicklungsschwerpunkte.

CERM mit Sitz in Oostkamp entwickelt Management-Informationssysteme (MIS) für die Etiketten- und Verpackungsindustrie. Nach Unternehmensangaben verfügt der Anbieter über mehr als 40 Jahre Branchenerfahrung; sein bestehendes System CERM7 wird weltweit von mehr als 500 Unternehmen eingesetzt. Das MIS verbindet kaufmännische und produktionsbezogene Aufgaben. Dazu gehören Kundenmanagement und Kalkulation ebenso wie Produktion, Lager, Versand und Rechnungsstellung. Die Kalkulation auf Basis von Produktionskosten und die Betriebsdatenerfassung zählen zu den Schwerpunkten des branchenspezifischen Systems.

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Für die Verbindung mit vor- und nachgelagerten Prozessen entwickelt CERM standardisierte Schnittstellen. Das Partnernetz umfasst unter anderem Esko, Hybrid Software, A B Graphic International und Screen. Die Integrationen beziehen sich auf Bereiche wie Druckvorstufe, Druck, Weiterverarbeitung und Inspektion sowie Materialversorgung und Logistik. Dieses Netzwerk soll auch die weitere Entwicklung des Cloud-Angebots unterstützen.

Lexis bereitet Bestellungen aus E-Mails auf

Ein Schwerpunkt der aktuellen Produktvorstellungen ist die Auftragserfassung. Bestellungen erreichen Druckereien in unterschiedlichen Formaten: als E-Mail-Text, PDF, Excel-Tabelle oder eingescanntes Formular. Die darin enthaltenen Angaben müssen dem Kunden zugeordnet, mit vorhandenen Daten abgeglichen und in das MIS übertragen werden. Für diesen Arbeitsschritt hat CERM den cloudbasierten KI-Agenten Lexis entwickelt.

Lexis liest E-Mails und Anhänge aus und überführt die Inhalte in strukturierte Geschäftsdaten. Über eine API-Verbindung gleicht das System die Angaben in Echtzeit mit der CERM-Datenbank ab. Lässt sich eine Absenderadresse eindeutig einem Kunden zuordnen, erfolgt diese Zuordnung automatisch. Bei mehreren möglichen Treffern wählt ein Mitarbeiter den passenden Datensatz aus. Anschließend erfasst Lexis unter anderem Bestellnummer, Produkte, Mengen und Lieferinformationen. Ein Konfidenzwert kennzeichnet die Sicherheit der erkannten Angaben.

Der Funktionsumfang geht laut CERM über das Auslesen einzelner Bestellpositionen hinaus. Lexis kann Preise und Bestellnummern prüfen, neue Produkte und Lieferadressen im MIS anlegen sowie beigefügte Artwork-Dateien verwalten. Kundenspezifische Regeln berücksichtigen beispielsweise typische Bestellformate oder zusätzliche Anforderungen. Vor der Anlage des Verkaufsauftrags muss ein CERM-Anwender die Daten prüfen und bestätigen. Eine automatische Auftragsbestätigung an den Kunden ist nach der Erfassung optional möglich.

Nach der Vorstellung bei den CERM User Group Days 2026 in Paris und Dallas war Lexis laut Hersteller zum Zeitpunkt der Pressemitteilung vom 10. September bei 20 Kunden im Einsatz. Als Praxisbeispiel nennt CERM den australischen Druckdienstleister Onpack: Das Unternehmen hatte bis dahin 260 Aufträge mit mehr als 3500 Produkten über Lexis verarbeitet. Bei größeren Bestellungen sank der Erfassungsaufwand nach Angaben von Onpack-Geschäftsführer Michael Nankervis von zwei bis drei Stunden auf weniger als eine Stunde.

Die weltweite Freigabe als Bestandteil des Portfolios CERM Extensions ist für den 15. September vorgesehen. Weitere Anwendungen befinden sich nach Herstellerangaben in Entwicklung, darunter die Verarbeitung von Angebotsanfragen und Versandavisen per E-Mail sowie die Nutzung aktueller Bestandsdaten bei der Auftragsannahme.

Qualitätsnachweise direkt am Produktionsauftrag

In der Fertigung erweitert CERM das Qualitätsmanagement um digitale Checklisten, die unmittelbar mit dem jeweiligen Produktionsauftrag verbunden sind. Prüfungen sollen damit in einer zentralen Qualitätsdokumentation zusammengeführt werden. Papierbasierte Aufzeichnungen lassen sich auf diese Weise durch auftragsbezogene digitale Einträge ersetzen. CERM will damit einheitliche Prüfabläufe unterstützen und den Aufwand für Dokumentation und Audits verringern.

Parallel baut der Anbieter die Rückverfolgbarkeit aus. Das MIS erfasst bereits Maschinen- und Bedienerzeiten, Materialverbräuche und die Anlage von Artikelvarianten. Die Erweiterung protokolliert zusätzliche Ereignisse im Produktionsablauf: etwa wenn ein neuer Produktionseingang gescannt oder gestartet wird, ein Bedienerwechsel stattfindet oder ein Halbfabrikat fertiggestellt ist. Die Datensätze enthalten unter anderem Zeitstempel, Dauer sowie Angaben zu Einheit, Bild, Produktliste und Palette.

Ein zusammenfassender Bericht stellt die erfassten Aktivitäten als Produktionshistorie dar. Damit können Anwender die zu einem Auftrag gehörenden Informationen bei der Untersuchung von Abweichungen nachvollziehen. Die zusätzliche Rückverfolgungsfunktion ist laut CERM neben der schmalbahnigen Etikettenproduktion auch für Bogenoffset, Nassleim- und RFID-Etiketten sowie die Faltschachtelproduktion vorgesehen.

Auch in der bestehenden Software gibt es Änderungen, die für mehrstufige Fertigungsabläufe relevant sind. Mit Version 7.35 hat CERM das Aufteilen von Halbfabrikaten überarbeitet, etwa für den Druck auf einer breiten Bahn mit anschließender Weiterverarbeitung zu schmaleren Bahnen. Anwender erhalten eine grafische Darstellung der Druckform; anhand der gewählten Schnittaufteilung ordnet das System die Produkte automatisch den entstehenden Halbfabrikaten zu. Außerdem können Administratoren benutzerdefinierte Felder als Pflichtfelder festlegen, beispielsweise für die Ursache einer Reklamation oder erforderliche Angaben in Materialstammdaten.

Für die Produktionsplanung zeigt CERM die nächste Generation seines regelbasierten Planungssystems Tempo. Die erweiterten Planungsfunktionen sollen nach Herstellerangaben die Maschinenauslastung verbessern und eine schnellere Anpassung an geänderte Prioritäten ermöglichen. Bei der Datenauswertung setzt Smart BI Enterprise an: Die neue Architektur erlaubt es, das Smart-BI-Datenmodell mit externen Datenquellen zu kombinieren. Hinzu kommen neue Standardberichte und automatische Übersetzungen des Datenmodells.

O2 startet mit begrenztem Anwendungsumfang

Mit O2 stellt CERM seiner bestehenden Produktlinie eine neue, browserbasierte Cloud-Plattform zur Seite. Deren offizielle Einführung ist für den 15. September auf der LOUPE Americas angekündigt. Zusätzliche Cloud-Technologie und Entwicklungserfahrung brachte die Übernahme von Omikai im Jahr 2025 ein. CERM nennt eine überarbeitete Benutzerführung, Automatisierung und branchenspezifische Funktionen als Schwerpunkte. Der API-first-Ansatz sieht Schnittstellen als grundlegenden Bestandteil der Architektur vor.

Zum Start soll O2 ausgewählte Anwendungsfälle kleiner und mittelgroßer Verarbeitungsbetriebe abdecken. Den vollständigen Funktionsumfang von CERM7 will der Anbieter nicht unmittelbar nachbilden. Die erste Version konzentriert sich überwiegend auf Etikettendruckereien. Spezifische Funktionen für flexible Verpackungen und Faltschachteln sollen in einer zweiten Phase folgen. Langfristig soll die Plattform zunehmend komplexere Produktionsumgebungen und Arbeitsabläufe unterstützen.

Für Verpackungsdruckereien ist diese zeitliche Einordnung wesentlich: Die angekündigte Ausrichtung von O2 auf mehrere Verpackungssegmente beschreibt zugleich einen Ausbauplan. CERM7 wird unterdessen weiterentwickelt. Geschäftsführer Jan Heyse erläutert, dass ein eigenes Team das neue Cloud-MIS entwickelt, während die Arbeit an der etablierten Produktsuite fortgesetzt wird.

Die Neuheiten stellt CERM vom 15. bis 17. September 2026 auf der LOUPE Americas im Donald E. Stephens Convention Center in Rosemont, Illinois, an Stand 3419 vor. Im Mittelpunkt stehen damit sowohl konkrete Erweiterungen bestehender Arbeitsabläufe als auch der schrittweise Aufbau einer zusätzlichen MIS-Plattform.