Strategische Partnerschaft soll Peripherieprozesse in Druck- und Verpackungsproduktion stärker automatisieren und durchgängige Workflows ermöglichen

Koenig & Bauer und RobCo entwickeln Automatisierungsplattform für die Druckindustrie

Koenig & Bauer und RobCo entwickeln Automatisierungsplattform für die Druckindustrie
Vertragsunterzeichnung zwischen Koenig & Bauer und RobCo zur strategischen Partnerschaft im Bereich industrieller Automatisierung. (Quelle: Koenig & Bauer / RobCo)

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer hat eine strategische Partnerschaft mit dem Münchner Robotik-Scale-up RobCo geschlossen. Die Kooperation ist Teil der Unternehmensstrategie „IMPACT“ und zielt darauf ab, die Automatisierung entlang der Wertschöpfungskette in der Druck- und Verpackungsindustrie weiter auszubauen.

Im Fokus der Zusammenarbeit steht die Automatisierung von Maschinenperipherie und nachgelagerten Prozessschritten zwischen Druck und Weiterverarbeitung. Die Robotersysteme von RobCo sollen insbesondere jene manuellen oder teilautomatisierten Zwischenschritte übernehmen, die bislang häufig isoliert innerhalb der Produktionsabläufe erfolgen. Durch den Einsatz einer No-Code-Programmierumgebung sollen die Systeme ohne tiefgehende Programmierkenntnisse konfiguriert und flexibel an unterschiedliche Anwendungen angepasst werden können. Ziel ist die Integration dieser Prozesse in durchgängige digitale Workflows.

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Nach Angaben der Partner bildet die Kooperation ein zentrales Element beim Aufbau einer offenen, skalierbaren Automatisierungsplattform, mit der sich Koenig & Bauer zunehmend als Anbieter ganzheitlicher Produktionslösungen positioniert.

Reaktion auf strukturelle Herausforderungen der Industrie

Mit der Partnerschaft reagiert Koenig & Bauer nach eigenen Angaben auf den anhaltenden Strukturwandel in der globalen Fertigungsindustrie. Neben wirtschaftlichem Druck und steigenden Effizienzanforderungen zählt insbesondere der Fach- und Arbeitskräftemangel zu den zentralen Herausforderungen. Ziel sei es, Prozessverluste an Schnittstellen zu reduzieren und Produktionsabläufe stabiler und effizienter zu gestalten.

Das Unternehmen sieht sich dabei in einer breiten technologischen Aufstellung – vom Verpackungsdruck über den Akzidenz- und Industriedruck bis hin zu Sicherheits- und Banknotendruck – und will die Robotiklösung als Baustein zur weiteren Optimierung industrieller Prozesse einsetzen.

Vom Maschinenhersteller zum Systemanbieter

Koenig & Bauer-CEO Dr. Stephen Kimmich betont, Kunden erwarteten zunehmend autonome, ausfallsichere und widerstandsfähige Produktionsprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit der Strategie „IMPACT“ verfolge das Unternehmen das Ziel, diese Anforderungen aktiv mitzugestalten. Die Partnerschaft mit RobCo solle technologische Silos aufbrechen und skalierbare Lösungen für integrierte Produktionsprozesse ermöglichen.

Koenig & Bauer sieht die Rolle des Unternehmens zunehmend im Bereich ganzheitlicher Systemlösungen. Produktionsprozesse müssten künftig stärker aus einer Hand orchestriert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

RobCo setzt auf vereinfachte Automatisierung

RobCo verfolgt einen softwarezentrierten Ansatz zur Vereinfachung industrieller Robotik. Durch modulare Systeme und eine No-Code-Plattform sollen Automatisierungslösungen schneller implementierbar und anpassbar werden. Ziel sei es, die Einstiegshürden für Unternehmen zu senken und Robotik stärker in standardisierte Produktionsumgebungen zu integrieren.

Nach Angaben von RobCo-CEO und Mitgründer Roman Hölzl scheiterten viele Automatisierungsprojekte nicht an der Technologie selbst, sondern an deren Komplexität. Die Kooperation mit Koenig & Bauer verbinde Branchenwissen mit einer flexiblen Automatisierungsplattform und ermögliche so breitere Anwendungen in der industriellen Produktion.

Zentrale Rolle der Factory & Machine Automation

Im Rahmen der Umsetzung hat Koenig & Bauer die Einheit „Factory & Machine Automation“ als konzernweites Automatisierungszentrum etabliert. Diese soll als zentrale Steuerungs- und Entwicklungsplattform für neue Automatisierungslösungen fungieren und die Integration der RobCo-Technologie in bestehende Produktionssysteme koordinieren.

Laut Koenig & Bauer-Management soll die neue Struktur die Entwicklung durchgängiger, automatisierter Produktionsprozesse beschleunigen und den Übergang zu stärker vernetzten Fertigungsumgebungen unterstützen.

Der verantwortliche Bereich wird von Markus Faude geleitet. Im Mittelpunkt steht nach Unternehmensangaben die Reduzierung manueller Schnittstellen in der Weiterverarbeitung, insbesondere im Postpress-Bereich, der als ein zentraler Hebel zur Steigerung der Gesamtproduktivität gilt.

Ziel der Kooperation sei es, Automatisierungslösungen von der Materialzuführung bis zur Palettierung stärker zu vernetzen und gemeinsam mit Kunden weiterzuentwickeln. Die Kombination aus No-Code-Robotik und OEM-Systemkompetenz soll dabei die Bedienbarkeit vereinfachen und die Abhängigkeit von spezialisierten IT-Ressourcen reduzieren.

Die Partner sprechen in diesem Zusammenhang von einem Ansatz der „Zero-Barrier-Automation“, der eine stärker selbstständig steuerbare und flexibel anpassbare Produktion ermöglichen soll. Langfristig wird ein vollständig integrierter, automatisierter Produktionsfluss vom unbedruckten Substrat bis zum versandfertigen Endprodukt angestrebt.