Recyclingfähigkeit, Materialeinsparung und Umweltverträglichkeit gehören für Verbraucherinnen und Verbraucher zu den wichtigsten Anforderungen an Verpackungen. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Umfrage: Viele Menschen unterschätzen die Recyclingquoten und den tatsächlichen Ressourcenverbrauch moderner Verpackungen.
Verpackungen erfüllen aus Sicht der deutschen Bevölkerung wichtige Aufgaben – insbesondere beim Schutz von Produkten, der Hygiene und der Haltbarkeit. Zugleich wächst die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi), die gemeinsam mit elf Branchenverbänden zum bundesweiten Tag der Verpackung am 11. Juni 2026 veröffentlicht wurde.
Befragt wurden Verbraucherinnen und Verbraucher zu ihren Erwartungen an Verpackungen, deren Leistungen im Alltag sowie zu ihrem Wissen über Recycling und Ressourceneinsatz.
Recyclingfähigkeit wichtigste Erwartung
Von insgesamt 13 abgefragten Anforderungen steht die Recyclingfähigkeit an erster Stelle: 48 Prozent der Befragten zählen sie zu den wichtigsten Eigenschaften einer Verpackung. Auf den weiteren Plätzen folgen ein sparsamer Einsatz von Verpackungsmaterial (40,3 Prozent), möglichst geringe Umweltauswirkungen (36,1 Prozent) sowie die Mehrwegfähigkeit, sofern sie ökologisch und praktisch sinnvoll ist (33,3 Prozent).
Daneben spielen klassische Funktionen weiterhin eine zentrale Rolle. Als besonders wichtig bewerten die Befragten die Sicherstellung von Hygiene (37,6 Prozent), ein einfaches Öffnen und Wiederverschließen (33,1 Prozent), den Schutz vor Beschädigungen (32,6 Prozent) sowie die Verlängerung der Haltbarkeit von Produkten (32,1 Prozent).
Gute Bewertungen für Schutz und Hygiene
Bei der Bewertung der tatsächlichen Leistungen von Verpackungen fällt das Urteil überwiegend positiv aus. Besonders gut schneiden die Bereiche Hygiene, Produktschutz und Haltbarkeit ab.
81,7 Prozent der Befragten bewerten die Sicherstellung von Hygiene durch Verpackungen mit „gut“ oder „sehr gut“. Beim Schutz von Produkten liegt dieser Wert bei 78,2 Prozent, bei der Verlängerung der Haltbarkeit bei 70,3 Prozent.
Auch die Informationsfunktion und Unterstützung beim Einkauf erhalten mehrheitlich positive Bewertungen. Knapp 70 Prozent fühlen sich durch Verpackungen gut oder sehr gut informiert, etwa durch Angaben auf der Verpackung oder die bessere Auffindbarkeit von Produkten im Handel.
Verbesserungspotenzial sehen die Befragten vor allem beim Umgang mit Verpackungen im Alltag. Das einfache Öffnen, Verwenden und Wiederverschließen bewerten nur 52,5 Prozent mit „gut“ oder „sehr gut“. Auch beim sparsamen Einsatz von Verpackungsmaterial fällt die Bewertung vergleichsweise zurückhaltend aus: Nur 35,6 Prozent vergeben hier eine positive Bewertung.
Wissen über Recyclingquoten bleibt lückenhaft
Eine deutliche Wissenslücke zeigt die Umfrage beim Thema Recycling. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher unterschätzen, wie hoch die Wiederverwertungsquoten verschiedener Verpackungsmaterialien tatsächlich sind.
So wissen lediglich 31,2 Prozent der Befragten, dass Glasverpackungen zu mehr als 80 Prozent recycelt werden. Auch bei Papier, Pappe und Karton schätzen nur 31,2 Prozent die Recyclingquote von über 80 Prozent richtig ein. Bei Metall vermuten viele Menschen deutlich niedrigere Werte, obwohl Metall zu den Materialien mit den höchsten Recyclingquoten zählt.
Auch bei Kunststoff- und Verbundverpackungen gehen viele von niedrigeren Recyclingquoten aus, als sie tatsächlich erreicht werden. Die Verbände sehen darin einen Informationsbedarf und betonen, dass Kreislaufwirtschaft nur durch das Zusammenspiel von Verbrauchern, Entsorgungssystemen und Industrie funktioniere.
Weniger Material pro Produkt trotz steigender Verpackungsmengen
Viele Menschen gehen davon aus, dass heute mehr Verpackungsmaterial benötigt wird als früher. Tatsächlich zeigt die Entwicklung in vielen Bereichen das Gegenteil: Pro Produkt wird häufig weniger Material eingesetzt als vor einigen Jahrzehnten.
Nur 18,2 Prozent der Befragten wissen, dass Verpackungen heute im Durchschnitt materialeffizienter sind als vor 10, 20 oder 30 Jahren. Untersuchungen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zeigen beispielsweise Materialeinsparungen bei verschiedenen Verpackungsarten: Bei Papier, Pappe und Karton wurden demnach zwischen 1991 und 2020 rund 17 Prozent Material eingespart, bei Aluminium 38,5 Prozent und bei Kunststoffverpackungen 76,9 Prozent.
Die Branche sieht darin eine zentrale Kommunikationsaufgabe. Zwar nehme die Zahl der verpackten Produkte zu, der Materialeinsatz pro einzelner Verpackung sei jedoch in vielen Bereichen gesunken.
Verpackungen verursachen nur einen kleinen Teil der Umweltwirkung
Auch die Rolle der Verpackung beim ökologischen Fußabdruck wird laut Umfrage häufig falsch eingeschätzt. Nur 19,5 Prozent der Befragten wissen, dass Verpackungen im Durchschnitt einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck haben als das verpackte Produkt selbst.
Nach Angaben des dvi entstehen bei verpackten Lebensmitteln im Durchschnitt etwa 3 bis 3,5 Prozent der Klimawirkungen durch die Verpackung. Der größere Anteil entfällt auf Herstellung, Verarbeitung und Verlust des Produkts selbst. Verpackungen sollen daher vor allem verhindern, dass Lebensmittel und andere Güter verderben oder beschädigt werden.
Nachwuchs sieht Verpackung als Zukunftsfeld
Zum Tag der Verpackung startete das dvi gemeinsam mit elf Hochschulen aus Deutschland und Österreich eine Videokampagne, in der Studierende, Auszubildende und Absolventinnen und Absolventen verpackungsnaher Berufe ihre Motivation vorstellen.
Die Botschaft der jungen Fachkräfte: Verpackungen seien ein wichtiges Zukunftsthema, das aktiv weiterentwickelt werden müsse – insbesondere mit Blick auf Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft.
„Verpackung ist Zukunft. Und Zukunft braucht Menschen, die sie gestalten“, betont dvi-Geschäftsführerin Dr. Natalie Brandenburg. Die Branche sieht sich dabei vor der Aufgabe, sowohl die Schutzfunktion von Verpackungen zu erhalten als auch nachhaltige Lösungen weiter auszubauen.