Screen Europe hat portugiesische Druck- und Verpackungsfachleute zu einem zweitägigen Open House in das Inkjet Innovation Center im niederländischen Aalsmeer eingeladen. Im Mittelpunkt standen die strukturellen Veränderungen des portugiesischen Druckmarkts sowie digitale Produktionsverfahren für den Etiketten- und Verpackungsdruck.
Die gemeinsam mit dem portugiesischen Screen-Händler inPrintout organisierte Veranstaltung kombinierte Marktanalysen, Fachvorträge und Live-Demonstrationen. Diskutiert wurde insbesondere, wie Verpackungsdruckereien auf kleinere Losgrößen, eine zunehmende Zahl datenbasierter Aufträge, volatile Materialmärkte und den Fachkräftemangel reagieren können.
Kleinere Auflagen verändern den Markt
Fernando Tordo, CEO von inPrintout, und Dr. Lopes Castro, Präsident des portugiesischen Branchenverbands APIGRAF, ordneten die Entwicklung des portugiesischen Druckmarkts ein. Nach ihrer Darstellung bleiben die gesamte Drucknachfrage und die Produktionsvolumina weitgehend stabil. Gleichzeitig verteile sich das Volumen zunehmend auf eine größere Zahl kleinerer, individualisierter und datengetriebener Aufträge.
Diese Entwicklung betrifft auch den Verpackungs- und Etikettendruck. Kürzere Produktlebenszyklen, häufigere Designwechsel und kleinere Bestellmengen erhöhen die Anforderungen an flexible Produktionsprozesse. Analoge Verfahren stoßen dabei insbesondere bei häufigen Auftragswechseln und kleinen Losgrößen an wirtschaftliche Grenzen.
Für den portugiesischen Markt kommt der zunehmende Fachkräftemangel hinzu. Automatisierte und digital gesteuerte Produktionsabläufe gewinnen daher nach Einschätzung der Referenten an Bedeutung. Der Digitaldruck werde damit zunehmend als konkrete Ergänzung zu bestehenden analogen Kapazitäten betrachtet.
Die diskutierten Herausforderungen sind nicht ausschließlich auf Portugal begrenzt. Auch für Verpackungsdruckereien auf der Iberischen Halbinsel stellen kleinteiligere Auftragsstrukturen, schwankende Materialkosten und der Bedarf an flexibleren Produktionsmodellen zentrale Themen dar. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand jedoch ausdrücklich die Situation portugiesischer Unternehmen.
Papierbasierte Flexverpackungen im Fokus
Ein Schwerpunkt des Open House lag auf der Truepress PAC 520P. Das wasserbasierte Inkjetdrucksystem ist für papierbasierte flexible Verpackungen ausgelegt und befindet sich nach Angaben von Screen inzwischen bei europäischen Anwendern im regulären Produktionsbetrieb.
Screen stellte das System vor dem Hintergrund schwankender Substratverfügbarkeiten und gestiegener Materialpreise vor. Für Verpackungshersteller erhöht sich dadurch der Druck, alternative Materialien und Produktionsverfahren zu prüfen.
Bei papierbasierten Flexverpackungen spielen neben der Bedruckbarkeit insbesondere Barriereeigenschaften, Produktschutz und Lebensmittelsicherheit eine Rolle. Screen zufolge lassen sich inzwischen Anwendungen realisieren, die einen Teil der bislang mit Papierverpackungen verbundenen technischen Einschränkungen adressieren. Erste Markenanbieter setzten bereits digital bedruckte, flexible Papierverpackungen in ihren Sortimenten ein.
Für den portugiesischen Verpackungsdruckmarkt könnte die Technologie vor allem dort relevant werden, wo kleinere Mengen, häufige Motivwechsel oder regional differenzierte Verpackungen gefragt sind. Konkrete Investitionsprojekte oder Produktionsmengen wurden im Rahmen der Veranstaltung jedoch nicht genannt.
Digitale Systeme für den Etikettendruck
Neben flexiblen Papierverpackungen präsentierte Screen auch digitale Systeme für die Etikettenproduktion. Die Demonstrationen zeigten Produktionsabläufe für wechselnde Auftragsdaten, kleinere Losgrößen und unterschiedliche Etikettenanwendungen.
Damit richtete sich die Veranstaltung auch an portugiesische Etikettendruckereien, die digitale Kapazitäten ergänzend zu bestehenden Flexo-, Offset- oder anderen analogen Verfahren einsetzen wollen. Im Vordergrund standen dabei nicht allein die Drucksysteme, sondern auch die Einbindung in digitale Workflows und die Reduzierung manueller Eingriffe.
Fernando Tordo bewertete das Open House als Möglichkeit, die Einsatzbedingungen digitaler Produktionsverfahren unmittelbar zu demonstrieren. „Indem wir unsere Drucker in die Niederlande gebracht haben, konnten sie wirklich hören und sehen, wie und warum der Digitaldruck die Lösung ist“, erklärte er. Seine Einschätzung, die Veranstaltung könne sich als transformativ für den portugiesischen Markt erweisen, bleibt eine Prognose des Veranstalters.
Screen Graphic Solutions entwickelt und produziert Inkjetdrucksysteme für unterschiedliche Anwendungen. Zum Portfolio für den Verpackungs- und Etikettendruck gehören unter anderem die Produktreihen Truepress Label und Truepress PAC sowie Workflow- und Vorstufensysteme.