Die Hauptversammlung bestätigt den strategischen Kurs. Im Verpackungsdruck will Heidelberg Druck, Weiterverarbeitung, Software und Service enger verzahnen.

Heidelberg baut Rolle als Systemintegrator aus

Die Hauptversammlung bestätigt den strategischen Kurs. Im Verpackungsdruck will Heidelberg Druck, Weiterverarbeitung, Software und Service enger verzahnen.
Jürgen Otto, CEO, spricht auf der diesjährigen virtuellen Hauptversammlung per Livestream zu den Anteilseignern und Aktionärsvertretern (Quelle: Heidelberger Druckmaschinen)

Die Heidelberger Druckmaschinen AG richtet ihr Geschäft zunehmend auf komplette Produktionssysteme aus. Diese Entwicklung ist für die Verpackungsdruckbranche besonders relevant: Heidelberg beschränkt sich immer weniger auf die Lieferung einzelner Maschinen, sondern will größere Teile der Prozesskette abdecken. Die Hauptversammlung am 23. Juli 2026 bestätigte diesen strategischen Kurs.

Die Aktionäre stimmten auf der virtuellen Veranstaltung allen Beschlussvorschlägen zu. Vertreten waren rund 23 Prozent des Grundkapitals. Zur Abstimmung standen vier der fünf Tagesordnungspunkte. Die Vorlage des Jahres- und Konzernabschlusses erforderte keine gesonderte Beschlussfassung, da der Aufsichtsrat die Abschlüsse bereits gebilligt hatte.

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Umsatz steigt auf 2,29 Milliarden Euro

Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte Heidelberg einen Auftragseingang von rund 2,25 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg leicht auf etwa 2,29 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte 6,6 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich nach Unternehmensangaben auf 15 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr bei 5 Millionen Euro gelegen hatte. Die Eigenkapitalquote stieg von 25 auf 27 Prozent.

Ohne negative Wechselkurseffekte hätte der Umsatz laut Vorstandsvorsitzendem Jürgen Otto 2,362 Milliarden Euro erreicht. Die bereinigte EBITDA-Marge hätte demnach bei 7,2 Prozent gelegen. Das Unternehmen habe Maßnahmen eingeleitet, um die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen künftig zu begrenzen.

Rund 52 Prozent des Konzernumsatzes entfielen auf Offset-, Flexo- und Postpress-Lösungen für den Verpackungs- und Akzidenzdruck. Weitere 46 Prozent erzielte Heidelberg mit Software, Service, Verbrauchsmaterialien und Digitaldruck. Die Profitabilität dieses Bereichs sei weiterhin durch Vorleistungen für den Ausbau des Digitaldruckgeschäfts beeinflusst worden.

Verpackungsdruck als integrierte Prozesskette

Die Strategie im Kerngeschäft basiert auf den drei Säulen Packaging, Print und Lifecycle. Im Verpackungssegment will Heidelberg eigene Maschinen, zugekaufte Technologien und Lösungen von Partnerunternehmen über den Prinect-Workflow zu durchgängigen Produktionssystemen verbinden.

„Gleichzeitig haben wir unsere Position im Kerngeschäft durch den Ausbau unserer Rolle als Systemintegrator sowie gezielte M&A-Aktivitäten weiter gestärkt“, sagte Otto. Dadurch könne Heidelberg Kunden hochautomatisierte End-to-End-Lösungen für den Verpackungs- und Akzidenzdruck anbieten.

Für Verpackungsdruckereien ist dieser Ansatz grundsätzlich nachvollziehbar. Die entscheidende Frage wird allerdings sein, wie nahtlos sich Maschinen, Software und Weiterverarbeitung in der täglichen Produktion tatsächlich verbinden lassen. Ein vollständiges Portfolio allein schafft noch keinen durchgängigen Workflow – dessen Qualität zeigt sich erst bei Installation, Bedienung, Datenübergabe und Service.

Manroland-Übernahme erweitert Kundenbasis

Eine zentrale Rolle spielt die Übernahme des weltweiten Vertriebs- und Servicegeschäfts von Manroland Sheetfed. Heidelberg übernahm in diesem Zusammenhang 35 Länderorganisationen mit rund 600 Beschäftigten sowie Markenrechte, Technologien und geistiges Eigentum für Service und Ersatzteile.

Damit betreut das Unternehmen nach eigenen Angaben zusätzlich mehr als 3.000 Anwender von Manroland-Systemen. Für den Abschluss der Integration rechnet Heidelberg mit einem Zeitraum von rund 24 Monaten.

Zur Transaktion gehören außerdem Rechte an der Roland 900 beziehungsweise Cartonmaster CX 145 für den großformatigen Bogenoffsetdruck. Eine erste Maschine sei bereits verkauft worden. Heidelberg prüft laut Otto, das System an einem kostengünstigeren Standort weiter zu produzieren und technisch weiterzuentwickeln.

Gerade im großformatigen Faltschachteldruck könnte diese Plattform das bestehende Heidelberg-Angebot ergänzen. Ob daraus dauerhaft ein eigenständiges Produktprogramm entsteht, hängt jedoch von der weiteren Nachfrage und der geplanten industriellen Umsetzung ab.

Polar und MK Masterwork ergänzen das Portfolio

Parallel bereitet Heidelberg die vollständige Integration des Geschäfts mit Polar-Schneidsystemen vor. Die Anlagen sollen als Bestandteil vernetzter Druck- und Weiterverarbeitungsprozesse in das Gesamtangebot eingebunden werden.

Sowohl aus dem Manroland-Geschäft als auch aus der geplanten Polar-Integration erwartet das Unternehmen kurzfristig zusätzliche Umsatz- und Ergebnisbeiträge.

Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Weiterverarbeitungsspezialisten MK Masterwork erweitert. Heidelberg will damit integrierte Produktionslinien für den Verpackungsdruck anbieten. Vorgesehen ist auch die Einbindung von Robotiksystemen, die automatisierte Material- und Prozessabläufe unterstützen sollen.

Im industriellen Verpackungsdruck setzt Heidelberg zudem auf die Flexodruckplattform Boardmaster. Laut Unternehmen entwickelt sich die Nachfrage positiv. Konkrete Angaben zum Auftragseingang oder zur Zahl der installierten Systeme machte der Vorstand auf der Hauptversammlung jedoch nicht.

Wiederkehrende Umsätze gewinnen an Bedeutung

Neben dem Verkauf von Maschinen will Heidelberg den Anteil wiederkehrender Erlöse erhöhen. Dazu sollen das Service-, Ersatzteil- und Verbrauchsmaterialgeschäft sowie nutzungsabhängige Geschäftsmodelle im Digitaldruck beitragen.

Im Geschäft mit Druckplatten habe das Unternehmen größere Aufträge für den Akzidenz- und Verpackungsdruck in Europa und Nordamerika erhalten. Das internationale Servicenetzwerk umfasst nach Angaben von Heidelberg rund 2.300 Fachkräfte in 170 Ländern. Durch die Übernahme der rund 600 Beschäftigten aus dem Manroland-Geschäft wird diese Struktur erweitert.

Die Stoßrichtung ist eindeutig: Heidelberg will stärker über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage verdienen und die Kundenbindung über Maschinenkauf, Software, Verbrauchsmaterialien und Service hinweg ausbauen. Für Druckereien kann dies Vorteile bei der Abstimmung der Komponenten bringen. Gleichzeitig wächst jedoch die Abhängigkeit von einem einzelnen Systemanbieter.

Weitere Kosten- und Effizienzmaßnahmen

Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit setzt Heidelberg seine Kostenmaßnahmen fort. Mit rund 650 Beschäftigten in Deutschland seien bereits Vereinbarungen über ein Ausscheiden aus dem Unternehmen getroffen worden.

Gleichzeitig erweitert Heidelberg seine Produktionskapazitäten in China. Dort sollen künftig mehr Systeme lokal entwickelt, beschafft und hergestellt werden. Ergänzend entsteht in Nordmazedonien ein weiterer Produktionsstandort mit einer niedrigeren Kostenstruktur.

Stabiler Umsatz für 2026/27 erwartet

Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet Heidelberg weiterhin schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Der Umsatz soll auf dem Niveau des Vorjahres liegen, während sich die bereinigte EBITDA-Marge verbessern soll. Die Zahlen für das erste Quartal will das Unternehmen am 19. August 2026 veröffentlichen.