Strategische Weiterentwicklung - Übernahmen und Partnerschaften sollen zusätzliche Umsätze erschließen

Heidelberg erweitert Kerngeschäft und Industriesparten

Heidelberg erweitert Kerngeschäft und Industriesparten
Heidelberg stellt ab sofort das gesamte Service- und Ersatzteilgeschäft für manroland Maschinen sicher (Quelle: Heidelberger Druckmaschinen AG)

Mit der Integration des Lifecycle-Geschäfts von manroland sheetfed und der geplanten Übernahme der POLAR-Produktion baut die Heidelberger Druckmaschinen AG ihr Angebot für die Druck- und Verpackungsindustrie aus. Parallel entwickelt das Unternehmen neue Aktivitäten in der Verteidigungs- und Energiespeichertechnik. Die Maßnahmen sind Teil der Ausrichtung auf ein breiter aufgestelltes Technologieunternehmen.

Servicegeschäft von manroland übernommen

Heidelberg hat das Lifecycle-Geschäft sowie die internationalen Vertriebs- und Servicegesellschaften von manroland sheetfed integriert. Die Transaktion umfasst das Service- und Ersatzteilgeschäft, rund 35 Landesgesellschaften und etwa 600 Beschäftigte. Heidelberg übernimmt damit die Betreuung von mehr als 3.000 Anwendern von manroland-Bogenoffsetmaschinen.

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Darüber hinaus hat sich das Unternehmen die Rechte an der Roland 900 beziehungsweise Cartonmaster für den Bogenoffsetdruck im Großformat gesichert. Eine erste Maschine sei bereits verkauft. Nach Angaben des Unternehmens werden derzeit Möglichkeiten geprüft, das System an einem kostengünstigeren Standort zu produzieren und weiterzuentwickeln.

Mit der Übernahme will Heidelberg insbesondere das Service-, Ersatzteil- und Verbrauchsmaterialgeschäft ausbauen. Dadurch soll der Anteil wiederkehrender Umsätze steigen und die Abhängigkeit vom konjunkturell schwankenden Neumaschinengeschäft sinken.

POLAR-Produktion wird integriert

Auch die vollständige Übernahme von POLAR Weiterarbeitungssystemen soll die Position im Druck- und Verpackungsmarkt stärken. Nachdem Technologie, Marke, Vertrieb und Service bereits bei Heidelberg angesiedelt wurden, sollen nun auch Entwicklung und Produktion in die eigene Organisation überführt werden.

Das Portfolio umfasst Systeme für das Beladen, Rütteln, Schneiden, Stanzen, Entladen und Banderolieren. Dazu gehören auch automatisierte Lösungen für die Herstellung von Etiketten. Die Integration ergänzt Heidelbergs Strategie, Druck, Weiterverarbeitung, Software und Automatisierung stärker zu durchgängigen Produktionssystemen zu verbinden.

Neue Aktivitäten außerhalb der Druckindustrie

Parallel zum Kerngeschäft baut die Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies neue Aktivitäten in den Bereichen Verteidigung und Energie auf. Das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG hat am Standort Brandenburg im Juli einen Live-Hub für integrierte Drohnenabwehr eröffnet. Er richtet sich an Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur, Streitkräfte und Industrie.

Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin unterzeichnete ONBERG zudem eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton. Angestrebt wird ein weiteres Joint Venture. Geplant ist, Überwachungsdrohnen von Skyeton mit einem unbemannten Bodenfahrzeug von Heidelberg zu einem autonomen Luft-Boden-System zu verbinden.

Im Energiebereich arbeitet HD Advanced Technologies mit dem Schweizer Unternehmen PHENOGY zusammen. Heidelberg übernimmt zunächst die industrielle Fertigung kompletter Natrium-Ionen-Speichersysteme – von der Beschaffung und Produktion bis zu Installation, Service und Wartung. Außerdem bereiten die Unternehmen ein Joint Venture zur Entwicklung und industriellen Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriezellen vor. PHENOGY soll dafür Zellchemie und Zelldesign einbringen, Heidelberg ein spezifisches Druckverfahren.

Umsatz und Ergebnis gehen zurück

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027, das vom 1. April bis 30. Juni lief, erreichte Heidelberg einen Auftragseingang von 537 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal waren es 559 Mio. Euro. Nach Unternehmensangaben wirkte sich insbesondere das Auslaufen eines staatlichen Investitionsprogramms in Italien aus. Der Auftragseingang dort ging um mehr als 60 Mio. Euro zurück. Zuwächse in China und weiteren asiatischen Märkten konnten dies nur teilweise ausgleichen.

Der Konzernumsatz sank von 466 auf 404 Mio. Euro. Steigerungen in China, Großbritannien und Brasilien standen Rückgänge vor allem in der Region EMEA gegenüber. Die bereinigte EBITDA-Marge verringerte sich von 4,4 auf 0,2 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 32 Mio. Euro nach minus 11 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Der Free Cashflow betrug minus 77 Mio. Euro.

Im Segment Print & Packaging Equipment gingen Auftragseingang und Umsatz zurück. Digital Solutions & Lifecycle verzeichnete dagegen einen um rund 5 Prozent höheren Auftragseingang; der Umsatz blieb auf Vorjahresniveau. Bei Heidelberg Technology stiegen Auftragseingang und Umsatz, das bereinigte EBITDA blieb mit minus 4 Mio. Euro negativ.

Für das Gesamtjahr 2026/2027 bestätigt Heidelberg seine Prognose. Erwartet werden ein Konzernumsatz auf dem Vorjahresniveau von 2,293 Mrd. Euro und eine spürbare Verbesserung der bereinigten EBITDA-Marge gegenüber den 6,6 Prozent des Geschäftsjahres 2025/2026.