Koenig & Bauer verbessert im zweiten Quartal Ergebnis und Cashflow deutlich. Der hohe Auftragseingang stärkt die weitere Auslastung. Bei den für den Verpackungsdruck relevanten Bogenoffsetaktivitäten bleibt das erste Halbjahr jedoch defizitär.
Koenig & Bauer hat im zweiten Quartal 2026 operativ deutlich zugelegt. Der Maschinenbauer erzielte ein operatives EBITDA von 17,0 Mio. Euro und einen positiven Free Cashflow von 16,8 Mio. Euro. Auch der Auftragseingang beschleunigte sich. Die Halbjahreszahlen zeigen allerdings ein differenziertes Bild: Das Segment Paper & Packaging Sheetfed Systems kehrte zwar im zweiten Quartal in die operative Profitabilität zurück, blieb über die ersten sechs Monate aber im Minus.
Auftragseingang wächst schneller als der Umsatz
Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte Koenig & Bauer den Auftragseingang um 16,9 % auf 709,3 Mio. Euro. Das war nach Angaben des Unternehmens der höchste Halbjahreswert seit acht Jahren. Allein im zweiten Quartal gingen Bestellungen über 411,7 Mio. Euro ein.
Der Auftragsbestand erreichte mit 1,122 Mrd. Euro einen neuen Höchststand. Damit verfügt Koenig & Bauer über eine hohe rechnerische Auslastung für die kommenden Quartale. Die Book-to-Bill-Ratio von 1,27 zeigt, dass der Auftragseingang den Umsatz deutlich überstieg.
Der Umsatz entwickelte sich dagegen bislang nur leicht positiv. Er stieg im ersten Halbjahr um 1,4 % auf 558,2 Mio. Euro. Das hohe Ordervolumen ist deshalb vor allem ein Signal für die künftige Geschäftsentwicklung. Entscheidend wird sein, wie schnell und profitabel Koenig & Bauer den Auftragsbestand in Umsatz umsetzen kann.
Deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal
Die stärkste Veränderung zeigt sich beim operativen Ergebnis. Im ersten Quartal hatte das operative EBITDA rechnerisch noch bei –2,9 Mio. Euro gelegen. Durch die 17,0 Mio. Euro aus dem zweiten Quartal stieg der Halbjahreswert auf 14,1 Mio. Euro. Gegenüber den 11,7 Mio. Euro des Vorjahres entspricht dies einer Verbesserung um 20,5 %.
Das ausgewiesene EBITDA lag mit 7,4 Mio. Euro jedoch nahezu auf dem Vorjahresniveau von 7,5 Mio. Euro. Darin enthalten waren nicht operative Belastungen von 6,7 Mio. Euro für die Stilllegung des Betriebs der Albert-Frankenthal GmbH. Die Differenz zwischen operativem und ausgewiesenem EBITDA zeigt, dass der laufende Konzernumbau weiterhin Kosten verursacht.
Von einem abgeschlossenen Turnaround auf Konzernebene kann daher noch nicht gesprochen werden. Das zweite Quartal markiert aber eine klare operative Verbesserung gegenüber dem schwachen Jahresbeginn.
Paper & Packaging Sheetfed Systems kehrt im Quartal ins Plus zurück
Für den Verpackungsdruck ist insbesondere das Segment Paper & Packaging Sheetfed Systems relevant. Es umfasst die Bogenoffsetaktivitäten für unter anderem Faltschachteln sowie weitere papier- und kartonbasierte Anwendungen.
Der Auftragseingang des Segments stieg im ersten Halbjahr um 13,7 % auf 398,5 Mio. Euro. Der Umsatz ging dagegen um 3,1 % auf 299,3 Mio. Euro zurück. Koenig & Bauer führt dies auf das niedrigere Auftragsniveau des Vorjahres zurück. Im zweiten Quartal belebte sich der Umsatz auf 165,9 Mio. Euro.
Auch beim Ergebnis zeigte sich eine deutliche sequenzielle Verbesserung: Nach einem operativen EBITDA von –8,4 Mio. Euro im ersten Quartal erzielte P&P im zweiten Quartal 6,8 Mio. Euro. Für das gesamte Halbjahr verblieb damit allerdings ein operativer Verlust von 1,6 Mio. Euro.
Das Quartalsergebnis belegt, dass das Segment bei höherem Umsatz wieder positive operative Beiträge erwirtschaften kann. Ob daraus eine dauerhaft stabile Profitabilität entsteht, hängt nun unter anderem von der weiteren Auslastung, der Umsetzung der Kostensenkungen und der Preisentwicklung ab.
Preiserhöhung verweist auf anhaltenden Kostendruck
Zum 1. Juli 2026 erhöhte Koenig & Bauer die Preise im P&P-Segment anteilig um 3 %. Damit sollen Belastungen ausgeglichen werden, die sich nach Unternehmensangaben nicht durch die bereits eingeleiteten Kostensenkungen kompensieren lassen.
Für Druck- und Verpackungsunternehmen bedeutet dies, dass sich der geopolitische Kosten- und Beschaffungsdruck weiterhin auf die Investitionspreise für Maschinen auswirkt. Zugleich wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, in welchem Umfang Koenig & Bauer die Preisanpassung am Markt durchsetzen kann und welchen Beitrag sie zur Marge leistet.
Sondermaschinen tragen den Ergebnisaufschwung
Deutlich stärker entwickelte sich das Segment Special & New Technologies. Der Umsatz stieg um 5,2 % auf 269,9 Mio. Euro, das operative EBITDA verbesserte sich von –4,0 Mio. auf 11,8 Mio. Euro. Der Auftragseingang legte um 22,1 % auf 329,0 Mio. Euro zu.
Ein wesentlicher Teil dieses Wachstums entfiel jedoch auf Großprojekte von Banknote Solutions in Afrika und Lateinamerika. Der starke konzernweite Auftragseingang lässt sich daher nicht vollständig als Nachfragebelebung im Verpackungsdruck interpretieren. Für dessen Entwicklung sind die Zahlen des P&P-Segments aussagekräftiger.
Cashflow im Quartal positiv, im Halbjahr negativ
Positiv fällt die Cashflow-Entwicklung aus. Im zweiten Quartal erreichte Koenig & Bauer einen Free Cashflow von 16,8 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal waren es –55,3 Mio. Euro. Für das gesamte erste Halbjahr blieb der Free Cashflow mit –21,0 Mio. Euro jedoch negativ. Gegenüber dem Vorjahreswert bedeutet dies dennoch eine Verbesserung um 62,7 Mio. Euro.
Die Net-Working-Capital-Quote lag bei 21,4 % und damit unter der vom Unternehmen gesetzten Obergrenze von 25 %. Das spricht für Fortschritte bei der Steuerung von Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten. Gerade angesichts des hohen Auftragsbestands bleibt das Working Capital wichtig: Umfangreiche Maschinenprojekte binden über längere Zeit erhebliche finanzielle Mittel.
Jahresziel verlangt ein stärkeres zweites Halbjahr
Koenig & Bauer bestätigt für 2026 einen Umsatz von rund 1,3 Mrd. Euro und ein operatives EBITDA von etwa 80 Mio. Euro. Nach dem ersten Halbjahr fehlen damit noch rund 742 Mio. Euro Umsatz und knapp 66 Mio. Euro operatives EBITDA.
Der Konzern muss Umsatz und Ergebnis im zweiten Halbjahr folglich deutlich steigern. Der hohe Auftragsbestand schafft dafür eine Grundlage, garantiert aber noch keine Zielerreichung. Neben der termingerechten Abwicklung der Projekte kommt es auf deren Margen und auf das Ausbleiben neuer Belastungen an.
Die Prognose steht zudem ausdrücklich unter stabilen geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Koenig & Bauer nennt unter anderem mögliche Störungen internationaler Handelswege, Energiepreissteigerungen und eine Eintrübung des globalen Investitionsklimas als Risiken.
Solide Erholung mit offenen Aufgaben
Das zweite Quartal 2026 ist für Koenig & Bauer deutlich besser verlaufen als der Jahresauftakt. Auftragseingang, operatives EBITDA und Free Cashflow entwickelten sich positiv. Besonders wichtig für den Verpackungsdruck ist die Rückkehr des P&P-Segments in die operative Profitabilität im zweiten Quartal.
Die Halbjahresbilanz mahnt dennoch zur Differenzierung: Der Konzernumsatz wächst bislang nur leicht, der Free Cashflow bleibt auf Sechsmonatssicht negativ und das P&P-Segment weist weiterhin ein operatives Minus aus. Zudem stammt ein erheblicher Teil der Auftragsdynamik aus dem Banknotengeschäft. Das zweite Halbjahr muss deshalb zeigen, ob Koenig & Bauer aus dem hohen Auftragsbestand dauerhaft höhere Umsätze, stabile Margen und einen nachhaltig positiven Cashflow entwickeln kann.