Der Wellpappenverarbeiter Brohl Wellpappe in Mayen hat alle Inlinermaschinen mit dem Easyfold-Waterscoring-System von Baumer hhs ausgestattet. Das Verfahren trägt ein Befeuchtungsmittel gezielt auf die Rilllinien auf und soll nach Angaben des Anwenders Fishtailing, Maßabweichungen und Falzbruch deutlich verringern.
Brohl Wellpappe fertigt seit mehr als 240 Jahren Verpackungen aus Well- und Vollpappe und wird heute in achter Generation geführt. Das Familienunternehmen bietet komplette Packaging-Lösungen aus einer Hand – von der Entwicklung über den Druck bis zum Co-Packing. Neben Flexo- und Offsetdruck gewinnt auch der Digitaldruck zunehmend an Bedeutung.
Die Kunden erwarten dabei nicht nur ein sauberes Druckbild, sondern auch Verpackungen, die sich zuverlässig weiterverarbeiten lassen und die vorgegebenen Maße exakt einhalten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sind inzwischen alle Inlinermaschinen des Unternehmens mit dem Easyfold-Waterscoring-System ausgerüstet. Das System bringt feine Linien oder Punkte eines Befeuchtungsmittels direkt auf die Rillung auf. Das Material wird an der Falzlinie geschmeidiger und lässt sich kontrollierter falten.
Der Weg zur Entscheidung
Auf das Waterscoring-Verfahren wurde Brohl Wellpappe ursprünglich durch einen Maschinenbauer aufmerksam. Hintergrund waren steigende Marktanforderungen bei gleichzeitig engeren zulässigen Toleranzen. Gesucht wurde deshalb eine Lösung, mit der sich die Faltprozesse stabilisieren und reproduzierbarer gestalten lassen.
Wirkung und Grenzen
„Besonders deutlich zeigt sich die Wirkung bei FEFCO-201-Boxen. Fishtailing und Maßabweichungen sind hier praktisch verschwunden. Auch Sonderkonstruktionen mit Steckverschlüssen oder Bruchklappen profitieren spürbar vom gezielten Auftrag des Befeuchtungsmittels“, berichtet Produktionsleiter Lopez. Am stärksten wirke das Verfahren bei E- und B-Welle, vor allem in Wellenrichtung; Gap-Abweichungen im Standardbetrieb gehörten damit der Vergangenheit an.
Bei dicken, mehrlagigen Wellpappen oder sehr großen Formaten stößt Waterscoring dagegen an Grenzen, da Materialsteifigkeit und Materialaufbau den möglichen Effekt begrenzen. Dennoch lasse sich auch bei diesen Anwendungen häufig eine deutliche Verbesserung erzielen.
Flexibler Einsatz im Produktionsalltag
Eingesetzt wird das Verfahren gezielt dort, wo es einen konkreten Vorteil bietet. Die Entscheidung darüber treffen die Maschinenführer direkt im Produktionsprozess: Lässt sich durch den Auftrag des Befeuchtungsmittels die Faltung stabilisieren oder die Produktionsgeschwindigkeit erhöhen, wird das System aktiviert. Waterscoring ist damit kein zusätzlicher Prozessschritt, sondern ein flexibel einsetzbares Werkzeug innerhalb des bestehenden Produktionsablaufs.
Auftrag von oben oder unten
Je nach Maschine wird das Material nach oben oder nach unten gefaltet; entsprechend kann das Befeuchtungsmittel von oben oder von unten aufgetragen werden. Für das Ergebnis spielt die Auftragsrichtung keine entscheidende Rolle, da das Mittel unmittelbar in das Material einzieht und nicht tropft. Entscheidend ist vielmehr, dass der Auftrag exakt auf der Rilllinie erfolgt.
Durch die feste Montage am Verfahrbalken richtet sich das Waterscoring-Ventil automatisch an der jeweiligen Rilllinie aus. Die kompakten Waterscoring-Ventile der Baureihe S 600 ermöglichen laut Hersteller auch den Einbau in beengten Maschinenbereichen und eine Positionierung nah am Produkt. Mitlaufende Kabel- und Schlauchführungen schützen die Versorgungsleitungen während der automatischen Verfahrbewegungen vor Beschädigungen.
Weniger Falzbruch, bessere Optik
Ein weiterer Effekt zeigt sich direkt an der Rilllinie: Durch das Waterscoring platzen die Decken beim Falten seltener auf, weil das Material im entscheidenden Bereich elastischer bleibt. Das gewinnt vor dem Hintergrund sinkender Papiergrammaturen an Bedeutung. Lassen sich dünnere Materialien verarbeiten, ohne dass diese im Falz brechen, verbessert das nicht nur die optische Qualität der Verpackung, sondern eröffnet auch Einsparpotenzial beim Materialeinsatz.
Qualitätskontrolle direkt im Prozess
Ob das Verfahren die gewünschte Wirkung erzielt, erkennen erfahrene Maschinenführer bereits an der fertigen Palette: Sind die Spaltmaße zwischen den Klappen gleichmäßig, stimmt das Format. Dieser Sichtcheck zeigt auf einen Blick, ob die Faltung korrekt eingestellt ist, und macht zusätzliche Messwerkzeuge in vielen Fällen entbehrlich.
Zusätzlich wird der Auftrag des Befeuchtungsmittels stichprobenartig kontrolliert, indem mit einem feuchten Lappen über die Rilllinie gewischt wird. Der normalerweise kaum sichtbare Auftrag wird dadurch erkennbar und lässt sich schnell überprüfen.
Kein negativer Einfluss auf BCT und ECT
Befürchtungen, dass die zusätzliche Feuchtigkeit die BCT- oder ECT-Werte der Wellpappe negativ beeinflussen könnte, haben sich bei Brohl Wellpappe nach Unternehmensangaben nicht bestätigt. Die unternehmenseigene Qualitätssicherung überprüft diese Werte regelmäßig; die Ergebnisse lägen im Soll, negative Auswirkungen auf die Stabilität der Verpackungen seien nicht festgestellt worden.
Nachrüstung auf allen Inlinern
Die Erfahrungen im Produktionsalltag haben das Unternehmen überzeugt: Brohl Wellpappe hat Waterscoring inzwischen auf allen Inline-Maschinen nachgerüstet, um eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Die Systeme laufen nach Angaben des Anwenders zuverlässig und unterstützen die Maschinenführer dabei, den Faltprozess stabil zu beherrschen.
Blick nach vorn
Baumer hhs erwartet, dass Waterscoring in der Wellpappenindustrie weiter an Bedeutung gewinnt, und verweist dabei auf die Zahl der verkauften und installierten Systeme. International seien bereits zahlreiche Anlagen installiert, teilweise würden komplette Produktionsstandorte nachgerüstet. Die Entwicklung beschränke sich nicht auf Europa: In Ägypten seien erste Anlagen installiert worden, weitere Projekte würden diskutiert.
Projektleiter Heintz ordnet die Perspektive so ein: „Waterscoring hat das Potenzial, sich langfristig als Standardtechnologie in der Wellpappenverarbeitung zu etablieren. Ein vergleichsweise kleines Werkzeug mit großer Wirkung.“
Aus Sicht des Anwenders zählt am Ende das Ergebnis, das der Kunde sieht: saubere Rillen, präzise Maße und zuverlässig gefaltete Verpackungen. Weniger Fishtailing, geringere Maßabweichungen und weniger Falzbruch sollen für stabilere Prozesse sorgen und das Risiko von Ausschuss und Reklamationen reduzieren.