Green Compounding bei Westland: Nachhaltige Elastomerrezepturen zwischen Performance und Kreislauffähigkeit
von Ansgar Wessendorf,
Green Compounding bei Westland: Nachhaltig entwickelte Elastomer-Compounds auf Basis alternativer Rohstoffe sollen technische Performance und verbesserte Umweltbilanz miteinander verbinden. Auf der Interpack informiert das Unternehmen über aktuelle Materialkonzepte und Anwendungen für Verpackungsdruck und Converting
(Quelle: Westland)
Die Elastomerindustrie steht seit Jahren unter zunehmendem Druck, Materialleistung, Kostenstabilität und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Besonders in konvertierenden Industrien – etwa im Verpackungsdruck, in der Weiterverarbeitung flexibler Substrate oder im Maschinenbau für Druck- und Beschichtungsanlagen – gewinnen emissionsarme und ressourcenschonende Werkstoffe an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund positioniert sich Westland mit seinem Ansatz des Green Compounding als einer der Akteure, die klassische Gummimischungen systematisch weiterentwickeln.
Vom klassischen Compounding zur nachhaltigen Rezepturentwicklung
Compounding beschreibt die gezielte Formulierung von Elastomeren durch die Kombination von Polymeren, Füllstoffen, Weichmachern und Additiven. Traditionell basiert dieser Prozess überwiegend auf fossilen Rohstoffen, insbesondere erdölbasierten Elastomeren und funktionellen Additiven wie Ruß.
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Green Compounding verfolgt hier einen erweiterten Ansatz: Die Rezepturen werden schrittweise so umgestellt, dass nachwachsende oder recycelte Rohstoffe stärker integriert werden, ohne die für industrielle Anwendungen entscheidenden mechanischen Eigenschaften zu kompromittieren.
Im Zentrum steht dabei nicht die vollständige Substitution einzelner Materialklassen, sondern eine systematische Optimierung des Rohstoffmixes entlang des gesamten Lebenszyklus.
Anforderungen aus der Druck- und Converting-Industrie als technischer Maßstab
Gerade im Bereich Verpackungsdruck und Converting gelten hohe Anforderungen an Elastomerkomponenten. Walzenbezüge, Dichtungen oder elastische Führungselemente müssen unter dynamischer Belastung, chemischer Exposition durch Reinigungs- und Prozessmedien sowie unter kontinuierlichem Betrieb stabil bleiben.
Green Compounding adressiert diese Anforderungen durch:
angepasste Elastomerbasen mit reduziertem fossilem Anteil
alternative Füllstoffsysteme zur Optimierung von Abrieb- und Reibverhalten
modifizierte Additivpakete zur Sicherstellung thermischer und oxidativer Stabilität
Rezepturdesigns mit Fokus auf längere Standzeiten und reduzierte Wartungsintervalle
Damit bleibt die technische Leistungsfähigkeit im industriellen Einsatz ein zentrales Kriterium.
Technische Balance zwischen Nachhaltigkeit und Performance
Die größte Herausforderung im Green Compounding liegt in der Balance zwischen Materialinnovation und industrieller Prozesssicherheit. Während klassische Mischungen auf langjährig etablierten Normdaten basieren, erfordert der Einsatz biobasierter oder recycelter Rohstoffe eine differenziertere Betrachtung von Schwankungsbreiten und Alterungsverhalten.
Westland begegnet diesem Spannungsfeld durch eine stärkere applikationsspezifische Rezepturentwicklung, bei der Materialeigenschaften gezielt auf den jeweiligen Einsatzfall abgestimmt werden – etwa für Druckwalzen im Flexodruck, für Kontaktrollen in Beschichtungsanlagen oder für dynamisch belastete Dichtelemente.
Bedeutung für Verpackung und Converting
Für die Verpackungs- und Convertingindustrie ergibt sich daraus ein doppelter Effekt: Einerseits steigen die Anforderungen an die Dokumentation von Nachhaltigkeitskennzahlen entlang der Lieferkette. Andererseits wächst der Bedarf an technischen Komponenten, die diese Anforderungen erfüllen, ohne die Prozessstabilität zu gefährden.
Green Compounding kann hier als Brückentechnologie verstanden werden. Es ermöglicht eine schrittweise Reduktion fossiler Rohstoffanteile in elastomeren Funktionsbauteilen, ohne bestehende Maschinenkonzepte oder Produktionsprozesse grundlegend zu verändern.
Der Ansatz ist weniger als disruptive Innovation zu verstehen, sondern vielmehr als kontinuierliche Evolution etablierter Materialsysteme. Für industrielle Anwender im Verpackungsdruck und Converting bedeutet dies vor allem: Nachhaltigkeit wird zunehmend ein integraler Bestandteil technischer Spezifikationen – auf Materialebene, nicht nur auf Produktebene.
Einen vertieften Einblick in aktuelle Entwicklungen des Green Compounding sowie konkrete Anwendungsbeispiele aus der Praxis bietet Westland auf der Interpack in Düsseldorf. Am Messestand des Unternehmens können Fachbesucher sich direkt über Rezepturansätze, Materialkonzepte und Einsatzmöglichkeiten im industriellen Umfeld informieren.