Auszeichnungen in zehn Kategorien – Gold-Awards folgen im November
36 Sieger beim Deutschen Verpackungspreis 2026
von Ansgar Wessendorf,
Diese Innovation verdient den Deutschen Verpackungspreis, weil sie patentierte Prägetechnik mit echter Inklusion verbindet. Braille, Reliefschrift und Logos können direkt während der Produktion millimetergenau auf flexible Verpackungen aufgebracht werden. So entsteht barrierefreie, sichere und alltagstaugliche Verpackung für blinde und sehbehinderte Menschen mit zusätzlichem Mehrwert für Markenprofil, Differenzierung sowie CSR (Corporate Social Responsibility)
(Quelle: Rotoprint Sovrastampa Srl)
Mehr als 200 Unternehmen aus 17 Ländern haben ihre Innovationen beim Deutschen Verpackungspreis 2026 eingereicht. Die unabhängige Fachjury zeichnete 36 Lösungen in zehn Kategorien aus. Die Sieger kommen aus Deutschland, Österreich, Italien, den Niederlanden und Großbritannien.
Die prämierten Lösungen umfassen Verpackungen aus Kunststoff, faserbasierten Packstoffen, Glas und Metall sowie Maschinen, Technologien und Software. Acht Auszeichnungen entfallen auf die Kategorie Nachhaltigkeit. Jeweils vier Sieger gibt es in den Kategorien Design, Funktionalität und Convenience, Logistik und Materialfluss, Warenpräsentation sowie Nachwuchs. Drei Preise vergab die Jury jeweils für Digitalisierung und Verpackungsmaschinen. In den Kategorien Neues Material und Wirtschaftlichkeit wurde jeweils eine Lösung ausgezeichnet.
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Nachhaltigkeit prägt viele Entwicklungen
Kurz vor dem Anwendungsbeginn der europäischen Verpackungsverordnung PPWR beschäftigen sich zahlreiche prämierte Lösungen mit Kreislauffähigkeit, Materialreduktion und Rezyklateinsatz. „Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit zeigen sich dabei als zentrale Treiber für Fortschritte in allen Kategorien – von Wirtschaftlichkeit über Design und Warenpräsentation bis hin zu Logistik, Maschinenbau und Digitalisierung“, sagt dvi-Geschäftsführerin Dr. Natalie Brandenburg.
Die acht Gewinner der Kategorie Nachhaltigkeit verteilen sich auf die Bereiche Gesamtkonzept, Materialreduktion, Rezyklateinsatz, Recyclingfähigkeit sowie Mehrweg-, Refill- und Pfandsysteme. Mehrere Entwicklungen vereinfachen bisher komplexe Verpackungsaufbauten. Dazu gehören die Integration einer Sauerstoffbarriere in die Druckfarbe, der Ersatz des konventionellen Drucks durch eine Lasermarkierung und der verstärkte Einsatz von Monomaterialien.
Siegwerk erhielt den Deutsche Verpackungspreis für seine weiße Druckfarbe mit hoher Deckkraft und Sauerstoffbarrierefunktion. Sie ermöglicht es Verarbeiter, komplexe Barriereschichten zu ersetzen, indem sie anstelle der standardmäßigen weißen Trägerschicht verwendet wird. (Quelle: Siegwerk)
Ausgezeichnet wurden CIRKIT OXYBAR WHITE von Siegwerk, der lasermarkierte StripPouch von Mondi Consumer Flexibles, die ECO LITE Drums von CurTec und ein Aluminiumverschluss von Linhardt. Weitere Preise gingen an einen materialreduzierten Ein-Liter-Eimer von Jokey, einen Push-Pull-Verschluss aus 100 Prozent Post-Consumer-Rezyklat von Aptar Closures und Werner & Mertz sowie den Co-Binder Tego Res 1100 von Evonik und Constantia Flexibles.
Avery Dennison, die Malzfabrik Weyermann und die All4Labels Group erhielten eine Auszeichnung für ein Etikett mit dem Wash-off-Klebstoff WW8031. Das Etikett soll während der Nutzung sicher haften und sich im Waschprozess nahezu rückstandsfrei ablösen. Der Klebstoff bleibt dabei nach Angaben der Einreicher an den Papierfasern gebunden und gelangt nicht in die Waschlauge.
Design verbindet Funktion und Materialeinsparung
Die vier ausgezeichneten Designlösungen verbinden Markenauftritt und Warenpräsentation mit Recyclingfähigkeit, Materialreduktion und zusätzlichen Funktionen. Dazu gehören eine Versandverpackung für die o2 HomeBox 4 von Telefónica, Design3 und touch Design, das überarbeitete Verpackungsdesign John Frieda Refresh von Kao, ein refillfähiges Verpackungskonzept von 1001 Gewürze und Design for human nature sowie eine Kosmetikverpackung von Brandpack.
Die Versandverpackung der o2 HomeBox kommt ohne zusätzliche Umverpackung aus. Eine direkt aufgedruckte Installationsanleitung ersetzt separate Beilagen. Die kompaktere Geometrie soll die Containerauslastung um 33 Prozent erhöhen. Hinzu kommen Recyclingkarton, Sojatinte und Brailleschrift.
Drei Lösungen für digitale Prozesse
In der Kategorie Digitalisierung zeichnete die Jury drei daten- und KI-gestützte Anwendungen aus. Die Plattform Packa von Packmatic digitalisiert Verpackungsdaten und berechnet unter anderem CO₂-Fußabdruck, Recyclingfähigkeit und regulatorische Konformität. Außerdem unterstützt sie die Dokumentation zu PPWR und erweiterter Herstellerverantwortung.
Coca-Cola, Coca-Cola Europacific Partners, Vetropack und Myneral Labs erhielten einen Preis für die Serialisierung von Mehrwegflaschen. Dauerhaft in das Glas eingebrachte Data-Matrix-Codes geben jeder Flasche eine digitale Identität und ermöglichen Rückverfolgbarkeit, Qualitätssteuerung und Umlaufanalysen.
Die Software CASTN des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik berechnet anhand realer Auftrags- und Produktdaten individuelle Versandkartonsortimente. Dadurch sollen Leerraum und Materialverbrauch im E-Commerce reduziert werden.
Verpackung übernimmt zusätzliche Funktionen
Vier Auszeichnungen vergab die Jury in der Kategorie Funktionalität und Convenience. Die Lösungen entwickeln Verpackungen vom reinen Behältnis zum Bestandteil der Anwendung oder des Montageprozesses weiter.
Die mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnete Lösung von Moni verlagert das Verpackungsdesign ans Ende der Wertschöpfungskette: Die Kennzeichnung erfolgt per Lasermarkierung direkt im Converting statt durch Druck. Dadurch entfallen Druckfarben, Formen und energieintensive Prozesse, Rüstaufwände sinken und Varianten lassen sich flexibel umsetzen. In Kombination mit recyclingfähigen Monomaterialstrukturen wie dem StripPouch verbessert dies die Kreislauffähigkeit. Eine PIA (Product Impact Assessment) zeigt über 50% CO₂-Reduktion gegenüber laminierten, bedruckten PE-Pouches (Quelle: Mondi)
Der Elos-Easy-Pick Blister von Puracon und Elos Medtech ermöglicht die kontaktlose horizontale Entnahme von Schrauben im Operationssaal. Die Dosierflasche Bioré Kids UV Stamp von Kao bringt eine definierte Menge Sonnencreme in Form eines Pfotenabdrucks auf die Haut auf. Eine Wellpappverpackung von Delkeskamp und Kampmann dient zugleich als Transportverpackung, Montageschutz und Montagehilfe. Smurfit Westrock erhielt eine Auszeichnung für eine Bag-in-Box-Lösung mit integriertem Griff für einhändiges Ausgießen.
Kreislaufwirtschaft in der Logistik
Die vier Gewinner in der Kategorie Logistik und Materialfluss verbinden Kreislaufwirtschaft und Prozessoptimierung. Der Grüne Punkt und Duo Plast wurden für eine Stretchfolie mit 35 Prozent PCR ausgezeichnet. Eine papierbasierte Verpackung von Hanns Julius Lichtenberger, SEW-Eurodrive und Wetropa ersetzt Holz beim Transport fahrerloser Transportsysteme mit einem Gewicht von bis zu 850 Kilogramm.
Bekuplast entwickelte einen Mehrwegbehälter für automatisierte Lagersysteme. Jokey, Circolution und Kaffee Braun erhielten einen Preis für einen Mehrwegeimer mit GS1-Code. Über diesen lassen sich unter anderem Standort, Zahl der Umläufe und Füllguthistorie erfassen.
Klebepunkte ersetzen Schrumpffolie
Den Preis in der Kategorie Neues Material erhielt H.B. Fuller Deutschland. Die ausgezeichnete Technologie ersetzt PET-Schrumpffolie bei Getränke-Multipacks durch geschäumte Klebepunkte. Die elastischen Klebepunkte halten die Gebinde zusammen und sollen Materialeinsatz, Energieverbrauch und Kunststoffabfälle reduzieren.
Warenpräsentation und Veredelung
Vier Preise gingen an Lösungen für die Warenpräsentation. Das Gravity Feed Tray der STI Group verbindet Transportverpackung und Display. Eine integrierte Nachrutschfunktion hält die Produkte im Verkaufsregal in der vorderen Reihe.
Seyfert und Palm Verpackung wurden für ein veredeltes Wellpappendisplay für Sensodyne ausgezeichnet. Einen weiteren Preis erhielt ein Adventskalender in Kofferform von Gebr. Knauer, Hitschler International und der Kolb Group. Die Konstruktion kombiniert Wellpappe mit verschiedenen Veredelungselementen.
Rotoprint Sovrastampa erhielt eine Auszeichnung für eine patentierte Prägetechnik, mit der sich Brailleschrift, Reliefschrift und Logos direkt auf flexible Verpackungen aufbringen lassen.
Avery Dennison, die Malzfabrik Weyermann und die All4Labels Group erhielten eine Auszeichnung für ein Etikett mit dem Wash-off-Klebstoff WW8031. Das Etikett soll während der Nutzung sicher haften und sich im Waschprozess nahezu rückstandsfrei ablösen. Der Klebstoff bleibt dabei nach Angaben der Einreicher an den Papierfasern gebunden und gelangt nicht in die Waschlauge (Quelle: Avery Dennison Europe Holding)
Wirtschaftlichkeit ohne neue Automatisierung
Die einzige Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaftlichkeit ging an Panther Packaging und Smurfit Westrock. Ihre Transport- und Verkaufsverpackung besitzt einen Automatikboden, einen selbstaufrichtenden Stapelrand und eine mechanische Arretierung. Nach Angaben der Unternehmen reduziert die Konstruktion die Befüllzeit beim manuellen Bestücken um 86 Prozent. Zusätzliche Investitionen in Automatisierungstechnik seien nicht erforderlich.
Vier Preise für den Nachwuchs
In der Nachwuchskategorie zeichnete die Jury vier studentische Projekte der Hochschule Neubrandenburg und der Fachhochschule Münster aus. Dazu gehören die KI-gestützte Ökobewertung EcoTrace, eine Verpackung für einen Schwangerschaftstest sowie zwei Verpackungen, die sich in ein Spiel beziehungsweise ein Tischtennisnetz verwandeln lassen.
Preisverleihung in Berlin
Die feierliche Preisverleihung findet am 19. November 2026 in Berlin statt. Dort erhalten die ausgezeichneten Teams ihre Trophäen und Urkunden. Zugleich gibt das Deutsche Verpackungsinstitut bekannt, welche Lösungen zusätzlich einen Gold-Award erhalten. Die Gold-Awards sind Innovationen vorbehalten, die sich nach Einschätzung der Jury aus dem Kreis der bereits ausgezeichneten Beiträge besonders hervorheben.
Die Teilnahme an der Preisverleihung ist nach vorheriger Registrierung kostenfrei. Die Gewinner des Deutschen Verpackungspreises qualifizieren sich zugleich für den WorldStar der World Packaging Organisation.