Marktanalyse

Schönwald-Studie: Flexible Lebensmittelverpackungen in Europa

Schönwald-Studie: Flexible Lebensmittelverpackungen in Europa
Flexible Lebensmittelverpackungen decken ein breites Anwendungsspektrum ab – von Süßwaren, Snacks und Trockenprodukten über Frische- und Convenience-Angebote bis hin zu Fleisch, Käse, Kaffee und Tiernahrung. Die Schönwald-Studie beziffert den europäischen Verbrauch 2025 auf mehr als 4,2 Millionen Tonnen. (Quelle: Symbolbild, KI-generiert. Quelle Marktdaten: Schönwald Consulting, Flexible Food Packaging in Europe 2025)

Der europäische Markt für flexible Lebensmittelverpackungen wächst weiter. Nach der aktuellen Studie „Flexible Food Packaging in Europe“ von Schönwald Consulting überstieg der Verbrauch 2025 die Marke von 4,2 Millionen Tonnen. Die Untersuchung zeigt zugleich, wie stark sich die Materialstrukturen verschieben: OPP bleibt führend, papierbasierte Lösungen gewinnen an Gewicht und Monomaterialien stellen inzwischen die Mehrheit.

Die im April 2026 veröffentlichte Marktstudie von Schönwald Consulting zeichnet ein differenziertes Bild der europäischen Nachfrage nach flexiblen Lebensmittelverpackungen. Auf 140 Seiten analysiert sie den Verbrauch des Jahres 2025 in elf Anwendungssegmenten und sieben Materialgruppen. Insgesamt enthält die Untersuchung 88 Tabellen und Grafiken.

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Im Mittelpunkt steht ein Markt, der mengenmäßig weiter expandiert, zugleich aber technisch und regulatorisch vor erheblichen Veränderungen steht. Das zentrale Ergebnis: In Europa wurden 2025 mehr als 4,2 Millionen Tonnen flexible Verpackungen für Lebensmittel verbraucht.

Drei Segmente prägen mehr als die Hälfte des Marktes

Die Schönwald-Studie ordnet die untersuchten Anwendungsbereiche nach ihrem Verbrauchsvolumen. An der Spitze stehen Süßwaren, gefolgt von Convenience- und Frischeprodukten sowie trockenen und dehydrierten Lebensmitteln. Gemeinsam repräsentieren diese drei Segmente mehr als die Hälfte des europäischen Gesamtverbrauchs.

Dahinter folgen Fleisch und Fleischprodukte, Heimtiernahrung, Snacks, Brot- und Backwaren, Käse und Molkereiprodukte, Kaffee und Tee, siegelfähige Deckelmaterialien sowie Getränke.

Die Rangfolge unterstreicht, dass flexible Verpackungen vor allem dort stark sind, wo hohe Stückzahlen, schnelle Verpackungsprozesse und ein günstiges Verhältnis von Materialeinsatz zu Produktschutz gefragt sind. Süßwaren, trockene Lebensmittel und Snacks benötigen häufig vergleichsweise leichte Verpackungen mit guter Bedruckbarkeit und ausreichender Barrierewirkung. Convenience- und Frischeprodukte stellen darüber hinaus hohe Anforderungen an Haltbarkeit, Siegeleigenschaften und Maschinengängigkeit.

Für Druckereien und Converter ist die Konzentration auf wenige große Marktsegmente von erheblicher Bedeutung. Sie sorgt einerseits für planbare Volumina. Andererseits erhöht sie den Wettbewerbsdruck, weil Material- und Prozessinnovationen in diesen Segmenten besonders schnell in große Mengen übertragen werden können.

OPP bleibt das wichtigste Materialsystem

Die Studie unterscheidet PET-, PA-, OPP-, PP- und PE-basierte Folien, papierbasierte flexible Verpackungen sowie flexible Aluminiumfolien. Innerhalb dieser Systematik stellen OPP-basierte Folien weiterhin den größten Folienverbund dar.

Ihre führende Position hat sich nach Angaben von Schönwald Consulting bereits über mehrere Jahre gehalten. OPP kommt insbesondere in den volumenstarken Bereichen Süßwaren, Trockenlebensmittel und andere schnell drehende Konsumgüter zum Einsatz.

Die Marktstellung ist technologisch plausibel: OPP bietet eine hohe Transparenz, gute Bedruckbarkeit und ausreichende Steifigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht. Zudem existiert in Europa eine breit ausgebaute Verarbeitungsinfrastruktur für Druck, Kaschierung, Metallisierung und Beutelherstellung.

Bemerkenswert ist jedoch die Entwicklung papierbasierter Lösungen. Ihr Verbrauch ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. 2025 lagen sie laut Studie bereits an zweiter Stelle hinter OPP-basierten Folien. OPP- und papierbasierte flexible Verpackungen kamen zusammen auf mehr als die Hälfte der eingesetzten Materialverbunde. Beide Materialgruppen sind zugleich in den drei größten Marktsegmenten vertreten.

Damit dokumentiert die Studie einen strukturellen Wandel. Papierbasierte Verpackungen sind nicht mehr nur ein Randphänomen oder ein Instrument für einzelne Markenpositionierungen. Sie entwickeln sich zu einer mengenmäßig relevanten Materialgruppe.

Dieser Trend sollte jedoch nicht mit einer vollständigen Abkehr von Kunststofffolien gleichgesetzt werden. Viele papierbasierte Lösungen benötigen Beschichtungen, Lacke oder dünne funktionale Schichten, um Feuchtigkeit, Fett, Sauerstoff oder Aromen zurückzuhalten und eine zuverlässige Siegelung zu ermöglichen. Für Converter steigt damit die Komplexität der Materialentwicklung.

Monomaterialien erreichen knapp 60 Prozent

Ein weiteres Kernergebnis der Studie betrifft das Verhältnis von Mono- und Multimaterialstrukturen. Monomaterialfolien erreichten 2025 einen Anteil von 59,3 Prozent. Multimaterialverbunde lagen bei 40,7 Prozent.

Damit stellen Monomaterialien inzwischen die Mehrheit. Gleichzeitig bleibt der Anteil klassischer Verbundstrukturen mit mehr als zwei Fünfteln des Marktes erheblich.

Die Zahlen verdeutlichen, dass der Übergang zu recyclinggerechteren Verpackungsstrukturen bereits weit fortgeschritten ist, aber keineswegs abgeschlossen wurde. Multimaterialverbunde spielen weiterhin eine wichtige Rolle, weil sie unterschiedliche technische Funktionen kombinieren können. Dazu gehören Sauerstoff- und Wasserdampfbarrieren, mechanische Stabilität, Durchstoßfestigkeit, Lichtschutz, Bedruckbarkeit und sichere Siegeleigenschaften.

Gerade bei Fleischprodukten, Käse, Kaffee, Tiernahrung oder besonders empfindlichen Lebensmitteln lassen sich diese Anforderungen nicht ohne Weiteres mit einer einzigen Materialfamilie erfüllen.

Die Studie macht damit indirekt auf einen entscheidenden Zielkonflikt aufmerksam: Recyclingfähigkeit und Produktschutz müssen gleichzeitig gewährleistet werden. Eine Reduzierung der Materialvielfalt darf weder zu höheren Lebensmittelverlusten noch zu Problemen auf den Abfüll- und Verpackungsanlagen führen.

Für die Lieferkette bedeutet dies, dass Monomaterial nicht mit technischer Einfachheit gleichzusetzen ist. Die Verpackungen können aus weniger unterschiedlichen Grundmaterialien bestehen, zugleich aber anspruchsvollere Rezepturen, Beschichtungen und Barriereschichten benötigen.

Sieben Materialgruppen zeigen die Breite des Marktes

Die von Schönwald Consulting gewählte Unterteilung in sieben Materialgruppen verdeutlicht die technologische Vielfalt flexibler Lebensmittelverpackungen. Neben den dominierenden OPP- und papierbasierten Systemen behalten PET-, PA-, PP- und PE-Strukturen sowie Aluminiumfolien ihre jeweilige Bedeutung.

PET wird häufig eingesetzt, wenn hohe mechanische Stabilität, Temperaturbeständigkeit und gute Druckeigenschaften gefragt sind. PA-basierte Strukturen sind insbesondere bei durchstoßgefährdeten oder anspruchsvollen Produkten relevant. PE- und PP-basierte Lösungen gewinnen im Zuge der Monomaterialentwicklung an strategischer Bedeutung, weil sie den Aufbau recyclingorientierter Verpackungsfamilien ermöglichen.

Flexible Aluminiumfolien bleiben dort wichtig, wo hohe Barriereleistungen gegen Licht, Sauerstoff und Feuchtigkeit benötigt werden. Ihre künftige Position wird wesentlich davon abhängen, wie technische Leistungsfähigkeit, Materialeffizienz und regulatorische Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden können.

Die Stärke der Studie liegt darin, diese Materialsysteme nicht isoliert zu betrachten. Vielmehr verbindet sie die Materialperspektive mit den elf untersuchten Marktsegmenten. Dadurch wird sichtbar, dass es keinen einheitlichen Entwicklungspfad für flexible Verpackungen gibt. Die Anforderungen einer Süßwarenverpackung unterscheiden sich grundlegend von jenen einer Fleisch-, Käse- oder Kaffeeanwendung.

Wachstumsraten bis 2030 als strategischer Indikator

Neben den Marktvolumina des Jahres 2025 bewertet die Studie die weitere Entwicklung der einzelnen Segmente anhand durchschnittlicher jährlicher Wachstumsraten bis 2030.

Diese Perspektive ist für Marktteilnehmer besonders relevant. Das aktuelle Verbrauchsvolumen zeigt, wo heute die größten Mengen verarbeitet werden. Die Wachstumsraten geben dagegen Hinweise darauf, in welchen Anwendungen künftig zusätzliche Kapazitäten, neue Materialien und spezialisierte Converting-Technologien benötigt werden könnten.

Für Folienhersteller, Druckereien und Verarbeiter reicht es daher nicht aus, allein auf die größten Segmente zu schauen. Ein volumenmäßig kleineres Anwendungsfeld kann bei überdurchschnittlichem Wachstum strategisch attraktiver sein als ein großer, aber weitgehend gesättigter Markt.

Die Kombination aus Segmentvolumen, Materialstruktur und Wachstumsprognose schafft damit eine Grundlage für Investitionsentscheidungen. Dazu zählen neue Druck- und Kaschieranlagen, Beschichtungskapazitäten, Extrusionslinien oder Prüftechnik für funktionale Verpackungseigenschaften.

PPWR als zweiter Schwerpunkt der Untersuchung

Die Marktanalyse beschränkt sich nicht auf Verbrauchsmengen und Materialstrukturen. Einen wesentlichen Teil widmet Schönwald Consulting dem europäischen Regulierungsrahmen für nachhaltige Verpackungen.

Im Mittelpunkt steht die europäische Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, die Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR. Die Studie erläutert relevante Artikel sowie die damit verbundenen delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte.

Darüber hinaus enthält sie eine Zeitleiste mit regulatorischen Maßnahmen, Übergangsfristen und Stichtagen. Berücksichtigt wird laut Presseinformation auch ein von der Europäischen Kommission am 30. März 2026 veröffentlichter Leitfaden zur Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung.

Die Einbindung des regulatorischen Rahmens ist für die Bewertung des Marktes zentral. Flexible Verpackungen werden künftig nicht allein anhand von Preis, Materialeinsatz und Funktionalität beurteilt. Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz, Dokumentation und die Einordnung in bestehende Sammel- und Verwertungsstrukturen gewinnen an Bedeutung.

Für Unternehmen erhöht sich dadurch der Bedarf an belastbaren Materialdaten. Druckfarben, Klebstoffe, Lacke, Barriereschichten und Verschlüsse müssen künftig stärker als Bestandteile eines Gesamtsystems betrachtet werden.

Rezyklate, biobasierte Kunststoffe und Fasern

Neben der Analyse konventioneller Folienstrukturen behandelt die Untersuchung vier Themenfelder, die für die zukünftige Marktentwicklung entscheidend sind: Kunststoff-Monomaterialien, faserbasierte Lösungen, biobasierte Kunststoffe und Rezyklate.

Damit greift die Studie jene Technologien auf, die derzeit im Zentrum vieler Entwicklungsprojekte stehen. Die einzelnen Ansätze verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele.

Monomaterialien sollen die Sortier- und Recyclingfähigkeit verbessern. Faserbasierte Lösungen zielen häufig auf einen höheren Anteil erneuerbarer Rohstoffe und eine Verwertung über bestehende Papierströme. Biobasierte Kunststoffe betreffen zunächst die Herkunft der Rohstoffe, während Rezyklate auf die Rückführung bereits genutzter Materialien in neue Verpackungen ausgerichtet sind.

Diese Kategorien sind nicht austauschbar. Eine biobasierte Folie ist nicht automatisch gut recycelbar. Eine papierbasierte Verpackung kann funktionale Kunststoffschichten enthalten. Ein Monomaterial kann wiederum zwar technisch recyclingfähig sein, aber an fehlenden Sammel- oder Sortierstrukturen scheitern.

Die Marktstudie trägt dieser Komplexität Rechnung, indem sie die Ansätze gemeinsam mit dem regulatorischen Umfeld betrachtet. Für Entscheider entsteht dadurch ein realistischeres Bild als durch eine rein materialbezogene Betrachtung.

Bedeutung für Druckereien und Converter

Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich mehrere Konsequenzen für die Druck- und Converting-Branche ableiten.

Erstens bleiben große Volumensegmente wie Süßwaren, Convenience-Produkte und Trockenlebensmittel die wirtschaftliche Basis des Marktes. Wer in diesen Bereichen tätig ist, wird weiterhin mit hohen Stückzahlen, zugleich aber mit steigendem Innovationsdruck konfrontiert sein.

Zweitens gewinnt die Fähigkeit zur Verarbeitung unterschiedlicher Substrate an Bedeutung. OPP bleibt mengenmäßig führend, während papierbasierte Materialien deutlich aufholen. Druckereien müssen daher sowohl klassische Kunststofffolien als auch empfindlichere oder beschichtete Faserstrukturen prozesssicher verarbeiten können.

Drittens verändert der hohe Monomaterialanteil die technologische Ausrichtung. Farb-, Klebstoff- und Beschichtungssysteme müssen stärker auf recyclingorientierte PE- oder PP-Strukturen abgestimmt werden. Gleichzeitig bleibt ein großer Markt für Multimaterialverbunde bestehen, insbesondere in barriereintensiven Anwendungen.

Viertens wächst der Dokumentationsaufwand. Unternehmen müssen nicht nur ein technisch funktionsfähiges Produkt liefern, sondern zunehmend auch dessen Materialzusammensetzung und regulatorische Eignung nachvollziehbar beschreiben.

Damit verschiebt sich die Rolle des Druckers. Aus einem reinen Produzenten bedruckter und kaschierter Materialien wird zunehmend ein Entwicklungspartner, der Verpackungsfunktion, Produktionsprozess, Recyclingfähigkeit und Regulatorik zusammenführen muss.

Ein Markt zwischen Wachstum und Transformation

Die zentrale Botschaft der Schönwald-Studie ist zweigeteilt. Einerseits wächst der europäische Verbrauch flexibler Lebensmittelverpackungen weiter und hat 2025 mehr als 4,2 Millionen Tonnen erreicht. Andererseits verändert sich die innere Struktur des Marktes deutlich.

OPP verteidigt seine Spitzenposition, papierbasierte Lösungen rücken auf Rang zwei vor, und Monomaterialien erreichen knapp 60 Prozent. Zugleich bleiben Multimaterialverbunde mit einem Anteil von 40,7 Prozent ein unverzichtbarer Bestandteil vieler technisch anspruchsvoller Verpackungen.

Der europäische Markt entwickelt sich damit nicht in Richtung einer einzigen dominierenden Materiallösung. Vielmehr entsteht ein differenziertes Portfolio, in dem Anwendung, Barrierebedarf, Maschinengängigkeit, Recyclingfähigkeit und regulatorische Vorgaben jeweils neu ausbalanciert werden müssen.

Für Druckereien und Converter liegt darin eine große Herausforderung, aber auch eine erhebliche Marktchance. Die kommenden Jahre werden weniger von pauschalen Materialwechseln geprägt sein als von der Fähigkeit, technisch belastbare und regulatorisch zukunftsfähige Verpackungssysteme zu entwickeln. Die Studie „Flexible Food Packaging in Europe“ liefert dafür eine umfangreiche quantitative und qualitative Grundlage.

Weitere detaillierte Informationen finden Sie hier