Polnischer Verpackungshersteller setzt auf hybrides Produktionsmodell zur Effizienzsteigerung und signifikanten Makulaturreduzierung

Drukarnia Tamir steigt mit VariJET 106 in die industrielle Digitalproduktion ein

Drukarnia Tamir steigt mit VariJET 106 in die industrielle Digitalproduktion ein
Ein bedeutender strategischer Schritt nach vorn für Drukarnia Tamir mit der neuen VariJET 106 in Bystrzyca Kłodzka (von links nach rechts): Daniel Velema, CEO Koenig & Bauer Durst, Markus Weiß, CEO Koenig & Bauer Paper & Packaging Sheetfed Systems, Dr. Stephen Kimmich, CEO Koenig & Bauer, Michal Krywulec, CEO Drukarnia Tamir, Christoph Gamper, CEO Durst Group, und Dr. Stefan Kappaun, Executive Vice-President Inks and Fluids Durst Group (Quelle: Koenog & Bauer)

Der polnische Verpackungshersteller Drukarnia Tamir erweitert seine Produktionsstrategie und steigt in die industrielle digitale Faltschachtelproduktion ein. Nach Abschluss von Installation und Schulung soll Ende August die Produktion auf einer VariJET 106 von Koenig & Bauer Durst anlaufen. Für das traditionsreiche Familienunternehmen markiert die Investition den Einstieg in die digitale High-Volume-Produktion und ergänzt die bestehende Offsetfertigung.

Tamir wurde 1993 gegründet und wird heute in zweiter Generation von der Familie Krywulec geführt. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen mehr als 30 Jahren als Hersteller von Faltschachteln, kaschierten Wellpappenverpackungen und Packungsbeilagen etabliert. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus der Pharma-, Kosmetik-, Lebensmittel-, Automobil- und Hausgeräteindustrie in Polen und weiteren europäischen Märkten.

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Die Entscheidung, den Einstieg in den industriellen Digitaldruck direkt mit einer Hochleistungsplattform zu vollziehen, unterstreicht den Wandel in der Verpackungsindustrie. Digitale Drucksysteme werden zunehmend als wirtschaftliche Ergänzung zur Offsetproduktion für kleinere und mittlere Auflagen betrachtet und gewinnen damit auch im industriellen Umfeld an Bedeutung.

Drei Werke und breit aufgestelltes Produktionsportfolio

Tamir produziert an zwei spezialisierten Standorten in Bystrzyca Kłodzka; ein drittes Werk befindet sich derzeit im Bau. Insgesamt stehen nahezu 20.000 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche zur Verfügung.

Ein Werk ist auf Pharmaverpackungen, Packungsbeilagen sowie veredelte Kartonverpackungen für Lebensmittel- und Süßwaren spezialisiert. Der zweite Standort fertigt überwiegend Verpackungen für die Automobilindustrie. Ergänzt wird die Produktion durch eine B0-Linie für kaschierte Feinstwellpappenverpackungen, moderne Offsetdrucktechnik sowie umfangreiche Weiterverarbeitungskapazitäten. Dadurch kann das Unternehmen unterschiedliche Verpackungssegmente mit hoher Fertigungstiefe bedienen.

Digitaldruck für Klein- und Mittelauflagen

Die VariJET 106 soll künftig vor allem Klein- und Mittelauflagen übernehmen. Nach Unternehmensangaben ersetzt das System ältere Offsetkapazitäten für mehr als 3.600 Aufträge beziehungsweise rund 5,6 Millionen Druckbogen pro Jahr. Produktionsmengen, für die bislang zwei Offsetschichten erforderlich waren, sollen künftig innerhalb einer Schicht auf der Digitaldruckmaschine gefertigt werden können.

Tamir erwartet durch die Investition deutliche Einsparungen bei Makulatur und Produktionskosten. Gleichzeitig sollen die verbleibenden neun Offsetmaschinen von kleineren Aufträgen entlastet werden. Dadurch rechnet das Unternehmen mit einer höheren Gesamtanlageneffektivität (OEE) und zusätzlichen Kapazitäten für größere Offsetproduktionen.

Einstieg in die hochvolumige digitale Faltschachtelproduktion mit Koenig & Bauer Durst bei der Drukarnia Tamir in Bystrzyca Kłodzka in Polen
(Quelle: Koenig & Bauer)

„Digital soll Offset ergänzen“

Für CEO Michał Krywulec stand von Beginn an fest, dass der Digitaldruck die bestehende Offsetproduktion ergänzen und nicht ersetzen soll.

„Unsere Digitaldruckmaschine muss vollständig mit unserem bestehenden Workflow kompatibel sein und auf denselben Kartonsubstraten drucken können wie unsere Offsetmaschinen. So können wir je nach Kundenanforderung flexibel zwischen beiden Technologien wechseln und gleichzeitig unsere Qualitätsstandards beibehalten.“

Nach seinen Angaben wurden verschiedene Technologien evaluiert. Ausschlaggebend für die Investitionsentscheidung sei letztlich gewesen, dass die VariJET 106 die Anforderungen hinsichtlich Substratkompatibilität und Integration in die bestehende Produktion erfülle.

Als weiteren Vorteil nennt Krywulec die Möglichkeit, variable Daten zu drucken und kurzfristige Nachbestellungen wirtschaftlich abzuwickeln. Als Beispiel verweist er auf einen Auftrag über 70.000 Faltschachteln, bei dem nachträglich lediglich 250 Exemplare benötigt wurden. Diese hätten sich auf der VariJET kurzfristig und nahezu ohne Makulatur produzieren lassen, während im Offsetdruck eine aufwendige Rüstung erforderlich gewesen wäre.

Signal für die Verpackungsindustrie

Auch aus Sicht von Koenig & Bauer Durst steht die Installation exemplarisch für den Wandel in der industriellen Faltschachtelproduktion.

„Tamir zeigt, dass sich der Digitaldruck zunehmend von einer theoretischen Option zu einem wirtschaftlich sinnvollen Bestandteil industrieller Produktionskonzepte entwickelt“, sagt Daniel Velema, Geschäftsführer von Koenig & Bauer Durst. Die VariJET 106 sei gezielt für die Integration in bestehende Offsetumgebungen entwickelt worden und ermögliche eine effiziente Kombination beider Technologien.

Ähnlich bewertet Markus Weiß, CEO von Koenig & Bauer Paper & Packaging Sheetfed Systems, die Investition. Der Digitaldruck werde zunehmend dort eingesetzt, wo er wirtschaftliche Vorteile biete. Ziel sei nicht die Ablösung des Offsetdrucks, sondern die Kombination beider Verfahren zu einer flexibleren und effizienteren Produktionsstruktur.

Hybridplattform für den industriellen Verpackungsdruck

Die VariJET 106 verbindet die wasserbasierte Single-Pass-Inkjet-Technologie und Workflow-Lösungen von Durst mit der Rapida-106-Plattform von Koenig & Bauer. Das gemeinsam entwickelte Hybridsystem ist für die industrielle Produktion von Faltschachteln ausgelegt und soll insbesondere bei kleinen und mittleren Auflagen wirtschaftliche Vorteile hinsichtlich Flexibilität, Qualität und Produktivität bieten.

Mit der Investition verfolgt Tamir seine langfristige Wachstumsstrategie weiter. Das Unternehmen befindet sich vollständig in Familienbesitz und wird von CEO Michał Krywulec gemeinsam mit seiner Schwester Adriana Krywulec sowie seiner Mutter Eugenia Krywulec geführt. Die Erweiterung der Produktionskapazitäten durch den Digitaldruck soll die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig stärken und neue Anwendungsmöglichkeiten im Verpackungsdruck erschließen.